Alles Trans oder was?

Die Titelseite der HNA vom vergangenen Montag hat eindrucksvoll vorgeführt, welche inhaltliche Prioritätensetzung die Redaktion vornimmt: Ein großer Kasten mit Bild weist auf die Schauspielkarriere einer Kasseler „Transfrau“ hin, die auf der Folgeseite in einem ganzseitigen Interview ein herausragendes Forum findet. Worum geht es? Es scheint sich biologisch um eine Frau zu handeln, die sich nicht als normale Frau fühlt, die einen biologischen Mann spielt, der sich als Frau fühlt… man will sich das gar nicht vorstellen. Wie auch immer, da konnte ich gleich weiterblättern auf Seite 3, ohne mich auch nur länger als drei Sekunden auf der vorhergehenden mit dem Interview aufzuhalten.

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„Bäumchen wechsel dich“: Das neue „Normal“ in der HNA

Aber ganz ehrlich, es ist in den letzten Jahren viel gesagt worden über die Blase, in denen sich der deutsche Journalismus bewegt. Einer seiner Lieblingsthemen ist die aus den USA zu uns übergeschwappte „woke“ Subkultur vor allem sexueller Minderheiten, deren Größe weit über ihre tatsächliche Bedeutung hinaus aufgeblasen wird, in allen tiefschürfenden Details. Was früher als Persönlichkeitsstörung ein Fall für den Psychiater war, ist heute höchster Ausdruck eines neuen zivilreligiösen Kultes um „Diversity“, der von der „Rest“-Gesellschaft nicht nur Akzeptanz fordert, sondern Respekt für sein Anderssein, mit allen Ansprüchen auf Förderung. Der britische Publizist Douglas Murray hat dazu geschrieben: „Von dem ganzen Wahnsinn der Massen, den wir derzeit erleben, sticht Trans insofern hervor, als dass es eine Art Rammbock geworden ist – als ob es das letzte fehlende Stück wäre, um die große patriarchalische Mauer endgültig niederzureißen.“

Ein deprimierendes Ergebnis dieser zweifelhaften Entwicklung ist die erklärte Absicht der Ampel-Regierung, bereits 14jährigen die irreversible, einer Verstümmelung gleichkommende Geschlechtsumwandlung auf eigenen Wunsch hin auf Kosten der Krankenkasse zu erlauben! Es ist paradox: Sexuelle Devianz ist das neue „normal“. Wer laut Zweifel äußert, dem winkt die juristische Keule des „Hass-Verbrechens“.

In diesen Zeiten, wo uns Kriegsangst, Inflation, Covid-Panikmache und vieles andere von existenzieller Bedeutung umtreiben, den zahlenden Lesern einen solchen Mist vorzusetzen, kann man sich eben nicht anders erklären als mit dem besagten Blasendenken des journalistischen Milieus. Dort muss man derartige Themen wahnsinnig „hip“ finden, ohne auch nur einen kritischen Gedanken daran zu verschwenden. Daß die Mehrheit der Leser dem auch nur etwas abgewinnen kann, ist jedenfalls eine gewagte Annahme. Wer derart seine Zeitung gestaltet, der hat sich die Flucht der Leser redlich verdient.

Die geistigen Verheerungen „woker“ Kultur.
Douglas Murray
Wahnsinn der Massen: Wie Meinungsmache und Hysterie unsere Gesellschaft vergiften
2020, 352 Seiten, 24,99 Euro

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