Cancel Culture in Nordhessen

Es hat etwas Beklemmendes, einem wachen jungen Mann dabei zuzusehen, wie er sich gerade seine öffentlich-rechtliche Karriere verbaut. Aber es ist doch bewundernswert, wie leidenschaftlich er seinen „ganz krassen Freiheitsdrang“ lebt. (Die „Junge Freiheit“ über Nikolai Binner, Ausgabe 41-2021)

Nichts liegt dem notorischen HNA-Linksaußen Matthias Lohr mehr am Herzen als die Bekämpfung der Corona-Pandemie durch das Impfen. „Wir [können] nur durch das Impfen wieder als Gesellschaft zusammenkommen“, so Lohr in einem Beitrag auf seiner Facebookseite vom 30. Oktober 2021. Wer ein solch hohes Ziel setzt, dem kann der Abweichler nur ein Gräuel sein. Ein solcher Abweichler ist der junge Comedian Nikola Binner. Der hätte eigentlich mit seinem Programm „Grenzgang“ im Kasseler Theaterstübchen auftreten sollen.

Weiterlesen

Doch daraus wird nichts. Einer jener unerträglichen Denunzianten hat via Twitter dafür gesorgt, daß der Betreiber dieser ehrwürdigen Kulturinstitution Markus Knierim den Auftritt kurzerhand absagte. Denn daß das Theaterstübchen „rechtsoffen“ sei, das wollte Knierim sich auf keinen Fall nachsagen lassen, wie Lohr in seinem Artikel „Der ‚Querleugner‘“ (HNA vom 26. Juli 2022) berichtet.

Der Ablauf ist wohlbekannt. Er funktionierte erst kürzlich bei der „Achse des Guten“, wo Werbepartner auf die gleiche Weise zum Absprung gedrängt wurden. Und er funktioniert auch, wie wir sehen, auf der Ebene der Provinz. Twitter vereint sie alle.

Bislang war Binner nur einer jener vielen Comedians, die sich nicht unbedingt durch Originalität vom Mainstream abhoben. Doch die vergangenen zwei Jahre der Corona-Pandemie müssen einiges in ihm zum Rutschen gebracht haben. Sein durchaus grenzüberschreitender Slogan „Impfen macht frei“ für Impfzentren in Anlehnung an die NS-Terminologie brachte Lohr besonders auf die Palme, weil sich dieser „gefährliche Schwachsinn“ gegen eine Maßnahme richte, „die unzählige Leben gerettet hat“.

Doch seine kritische Haltung gegenüber den Corona-Maßnahmen ist es nicht alleine, die ihn in das Visier spaßbefreiter Gesinnungswächter der political correctness stellt. Wer es schafft, in einem solchen Satz Annalena Baerbock, einen der grünen Lieblinge der Mainstreammedien, gemeinsam mit der Institution der Tagesschau zu verreißen, dem wird nie eine erfolgreiche Existenz außerhalb einer kleinen Nische zugestanden werden, dem wird niemals eine Einladung in die „heute-show“ zuteil: „Es kam heraus, daß man beim Lesen ihres Lebenslaufs öfter angelogen wird als bei zwei Minuten Tagesschau.“

Wer in diesem Vorgang einen Fall von Cancel Culture sieht, dem entgegnet HNA-Redakteur Lohr in seinem Kommentar, in welchem er die Absage des Theaterstübchens an Binner verteidigt: „Dabei ist das Canceln oft nur Widerspruch, mit dem jeder leben muss, der seine Meinung sagt.“ Das ist durchaus korrekt. Doch der Unterschied von Widerspruch und Cancel Culture liegt darin, daß letztes in ihrer aggressiven Nicht-Akzeptanz anderer Meinungen und Sichtweisen und den von ihnen auf anderen ausgeübten Druck eine existenzbedrohende Dimension annehmen kann. Das ist nichts anderes als das Brandmarken anderer Meinungen, für das es keinen besseren Begriff gibt als den der Denunziation. Es geht um nichts anderes als den Andersdenkenden auszugrenzen und ihn in seiner sozialen Existenz zu vernichten.

Binner scheint in diesem Fall noch Glück zu haben. Als Ersatz bot sich für diesen Freitagabend das „Savoy-nouvel“ in Schauenburg-Elgershausen an. Dessen Betreiber Dieter Jungermann wolle sich mit dem Auftritt ein eigenes Bild von Binner machen. Es kann gut sein, daß es gar nicht soweit kommt – weil die Antifa Lohrs Berichterstattung als Einladung auffassen könnte, hierbei ebenfalls die Gelegenheit für einen Auftritt in Elgershausen wahrzunehmen. Es würde uns nicht wundern, wenn Jungermann noch rechtzeitig umkippt.

Nikolai Binner Comedian & Autor – nikolaibinner.de

Gescheitert an sich selbst – aufgefangen vom System

Neben dem Schlagwort von der „Lügenpresse“ ist auch sehr oft von der artverwandten „Lückenpresse“ die Rede. Damit ist die von vielen Medien angewandte Manipulationstechnik gemeint, durch das Auslassen eines oder mehrerer wesentlicher Sachverhalte beim Leser bzw. Zuschauer einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen. Das Interview der HNA mit Volker Beck in der Ausgabe vom vergangenen Donnerstag (21.07.2022) könnte man durchaus hier einordnen.

HNA-Redakteur Matthias Lohr interviewte den früheren Bundestagsabgeordneten der Grünen und heutigen Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft zum Dauerbrenner antisemitischer Kunstwerke auf der Documenta 15. An dieser Stelle soll es ausdrücklich nicht um den Inhalt dieses Interviews gehen, sondern um die Person Becks selbst und seine biographische Kurzbeschreibung durch die HNA.

Weiterlesen

Quelle: HNA vom 21.07.2022

Zutreffend erwähnt die Kurzbiographie den Vorfall, als Beck im Sommer 2016 im Besitz der Droge Crystal Meth von der Polizei festgenommen wurde. Die ermittelnden Beamten kamen Beck durch die Observierung einer Dealerwohnung auf die Spur. Offenbar bewegte sich der Abgeordnete reichlich selbstsicher in einem zwielichtigen Milieu, von dem sich jeder Normalbürger schon der Eigensicherung wegen fernhält. Der Fall wurde gegen die Zahlung von 7000 Euro eingestellt, ein Betrag, der für einen langjährigen Mandatsträger wie Beck ein Klacks sein dürfte. Die WELT bezeichnete dieses den Konsumenten schnell zerstörende „Teufelszeug“ als die Partydroge der schwulen Szene: „Crystal Meth putscht auf, macht geil, spiegelt Größe vor – der Konsument fühlt sich wie ein Übermensch.“

Für Beck, der in Fragen der Moral die Meßlatte anderen gegenüber schon immer sehr hoch gehangen hat, führte der Vorfall zu einem jähen Karriereeinbruch, denn selbst für seine grünen Parteifreunden war hier eine Grenze überschritten. Er verlor alle seine öffentlichen Ämter, wollte jedoch auf das lukrative Bundestagsmandat nicht verzichten.

Die WELT meinte seinerzeit: „Wenn einer wie Beck, der so viel zu verlieren hatte, es wagt, höchstselbst in die Wohnung eines polizeibekannten Berliner Dealers zu gehen, dann sind dem Profi offenbar die Maßstäbe verrutscht.“

Der Irrtum dieser Annahme liegt jedoch darin, daß Beck für sich persönlich nie jemals so etwas wie aus einem bürgerlichen Wertekanon gebildete Maßstäbe vertrat, und genau hier kommen wir zu dem wesentlichen Punkt, der in der Kurzbiographie der HNA über Beck komplett unter den Tisch fällt.

1988 steuerte Beck zu dem Machwerk „Der pädosexuelle Komplex“ einen Text bei, in dem er unter anderem die kühne These aufstellte: „Eine Entkriminalisierung der Pädosexualität ist angesichts des jetzigen Zustandes ihrer globalen Kriminalisierung dringend erforderlich.“

Der Text blieb lange Zeit unterhalb der medialen Wahrnehmungsschwelle. Erst im Zuge der Aufarbeitung der grünen Verstrickungen in pädophile Strukturen vor ca. zehn Jahren wurde Beck wieder davon eingeholt. Beck behauptete dabei stets, sein Text sei vom Herausgeber sinnentstellend verfälscht worden. Recherchen der SPIEGEL entlarvten jedoch diese Schutzbehauptung als Lüge:

In der Affäre um die pädophilen Verstrickungen der Grünen hat der Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck die Öffentlichkeit jahrelang hinters Licht geführt. SPIEGEL-Recherchen im Archiv der Heinrich-Böll-Stiftung belegen, dass ein Manuskript aus dem Schwulenreferat der grünen Bundestagsfraktion, dessen Referent Beck war, nahezu identisch ist mit einem Gastbeitrag Becks für das Buch „Der pädosexuelle Komplex“.

Becks Position war seinerzeit noch derart gefestigt, daß er diese Affäre unbeschadet überstand. Über moralisches Kapital hatte Beck noch nie verfügt. Warum die Deutsch-Israelische Gesellschaft ausgerechnet ihn zu ihrem Vorsitzenden machte, kann nur aus dem Fortbestehen seines für ihre Zwecke wertvollen, politischen Netzwerkes oder der zunehmenden Bedeutungslosigkeit dieser Organisation erklärt werden. Die Besetzung von Vereinsspitzen mit zweit- und drittrangigen Politikern ist ohnehin gängige Praxis. Es ist dennoch wie ein letztes Auffangnetz, in einer Republik, in der es hingegen einen schwereren Karrierekiller darstellt, unangenehme Fakten über Zuwanderung auszusprechen oder gar an die Existenz lediglich zweier biologischer Geschlechter zu erinnern.

Aber warum verschweigt die HNA diesen nicht gerade unwichtigen Punkt um Becks Verstrickung in den „pädosexuellen Komplex“? Einerseits könnte hier mit Platzmangel argumentiert werden. Andererseits ist HNA-Redakteur Lohr schon immer durch eine auffallende Sympathie vor allem für das grüne Segment des politischen Spektrums aufgefallen, mit einem besonderen Wohlwollen für die, die dort bereits sehr weit am linken Rand stehen, wie seine Berichterstattung über die in Dresden vor Gericht stehende mutmaßliche Linksextremistin Lina E. hinreichend beweist.

Wie auch immer, die Leser der HNA sollten auch an diese Seite von Volker Beck erinnert werden. Das hilft, um jede Wortmeldung dieser „moralischen Lichtgestalt“ dahin einzuordnen, wo sie hingehört: In den Orkus des Vergessens.

Das Klima-Hochamt auf dem Holländischen Platz

Nun ist es endlich soweit: Nach Berlin hat auch in Kassel jene neue Form des Öko-Protestes Einzug gehalten, wonach Klima-Aktivisten sich auf dem Belag von Hauptverkehrsstraßen mit Sekundenkleber festkleben, um ihrem Anliegen durch Blockade des Verkehrs öffentlich Nachdruck zu verschaffen. So geschehen am vergangenen frühen Montagabend auf dem Holländischen Platz, Richtung Kurt-Wolters-Straße.

Weiterlesen

Wer die Lokalität kennt, der weiß um die Wirkung. Der Platz ist einer der Hauptverkehrsknotenpunkte der Stadt, dessen Situation temporär durch die Teilsperrung der Hafenstraße verschärft ist. Rund eineinhalb Stunden wurde so der Verkehrsfluß unterbrochen, bis es Polizisten unter Anwendung von Olivenöl endlich gelang, die Aktivisten von der Fahrbahn zu entfernen. Der ohnehin ungesunde urbane Streßlevel dürfte bis dahin bei einigen der betroffenen Autofahrer neue Höhen erreicht haben.

Live dabei waren auch Pressevertreter. So auch von der HNA, die am Folgetag die Aktion gekonnt auf der Titelseite in Szene setzten. Ein Bild zeigt die Aktivisten aus der Rückenperspektive frontal gegen den stillstehenden Verkehr, passenderweise an vorderster Front ein schwarzer SUV, dem wohl wichtigsten Hassobjekt aller Ökobewegten – einfach ausgedrückt, in Anlehnung eines alten Commie-Spruchs: Alle Räder stehen still, wenn dein auf der Fahrbahn klebender Arm es will.

Ausschnitt HNA-Titelseite vom 24.05.2022

Die Anwesenheit der HNA-Journalisten am Ort wird wohl kaum zufällig gewesen sein. Naheliegend dürfte eine zeitnahe Information an die Redaktion vorgelegen haben. Und ebenso wenig wird es dem Zufall geschuldet sein, daß es sich bei dem Berichterstatter um Matthias Lohr handelt, der schon immer dadurch unangenehm aufgefallen ist, daß er seinen Journalistenberuf für seinen Linksaktivismus mißbraucht. Da ist eine solche Aktion ein gefundenes Fressen für ihn. Was wir hier erleben, ist eine perfekt orchestrierte Inszenierung, von der sich jemand wie Lohr nur allzu gerne vereinnahmen läßt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein solches Zusammenwirken nicht den Tatbestand der Unterstützung zur Nötigung erfüllt.

An seiner Sympathie für die Aktivisten läßt Lohr jedenfalls keinen Zweifel. In der Kolumne „Standpunkt“ auf der Titelseite stellt er die Überlegung an, ob das Anliegen des Klimaschutzes „jede Form zivilen Ungehorsams rechtfertigt“. Seine Argumentation läuft auf ein lauwarm-distanziertes „Nein, aber…“ hinaus, an dessen Ende dann allerdings doch der Freibrief steht, in dem er eine aus seiner privaten Webseite wohlbekannte Phrase ins Spiel wirft: „Es könnte sein, dass uns unsere Enkel fragen, wo wir denn waren, als die Letzte Generation protestierte, um ihnen eine bessere Welt zu hinterlassen.“

Warum nennen sich die Aktivisten „Bündnis Letzte Generation“? Weil sie der tiefen Überzeugung sind, der letzten Generation anzugehören, die noch den angeblich unvermeidlichen Klimakollaps verhindern kann. Es ist ein wahnhafter Anspruch, dem durchaus etwas Narzisstisches anhaftet. Konsequent zu Ende gedacht ist der Übergang vom passiven Widerstand zum Terrorismus nur noch ein gradueller.

Allerdings können die „Ökosavonarolas“ (Heinz Hug) nicht behaupten, daß ihre Proteste keine Wirkung zeigten. Ihnen ist es mit zu verdanken, daß in den vergangenen Jahren eine fahrlässige Energiepolitik betrieben wurde, die nicht nur unsere industrielle Substanz angreift, sondern uns in eine höchst gefährliche Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen gebracht hat.

Halten wir uns an dieser Stelle auch noch folgendes vor Augen: Wir erleben hier mit HNA-Redakteur Matthias Lohr den Vertreter einer Zeitung in Aktion, die gegen alle Vernunft den Bau und Betrieb eines vollkommen überflüssigen Regionalflughafens in Calden promotete. Ein Flughafen, der nur deswegen keine klimaschädliche Wirkung entfalten konnte, weil der Flugbetrieb bislang extrem weit hinter den Erwartungen liegt. Hier werden tagtäglich öffentliche Gelder verbrannt, aber kein Kerosin. Und doch, wenn die Redakteure dieser Zeitung in einem einig sind, dann in der Beschwörung der Gefahren des „menschengemachten Klimawandels“, denn: „Kaum ein Wissenschaftler wird bestreiten, wie ernst die Lage ist.“ – Schizophrenie pur.

Wer alt genug ist, dem weckt die einseitige, geradezu ins Hysterische gesteigerte Fixierung auf das Klimathema Erinnerungen an die 1980er Jahre, die dominiert waren von Waldsterben, Giftstoffen und Atomangst. Auch damals war vor allem in der Jugend die pessimistische Grundstimmung überwiegend, einer Generation mit beschränkter Perspektive anzugehören. Und heute rasen die Angehörigen dieser Generation mit dem SUV durch immer noch nicht gestorbene Wälder und wählen als Ablaß die Grünen, während ihre Kinder freitags für das Klima die Schule schwänzen.

Was würde eigentlich passieren, wenn man den Aktionen dieser Öko-Sektierer in den Mainstreammedien in der gleichen Weise begegnen würde wie den zu „Covidioten“ und „Coronaleugnern“ verunglimpften Kritikern der Corona-Maßnahmen und den Skeptikern der Corona-Impfungen? Wie auch immer, den „wahrhaft Gläubigen“ des Bündnis Letzte Generation sei ein Aphorismus des Historikers Karlheinz Weißmann entgegengehalten: „Die Weltuntergangspropheten sind über ihre eigenen Voraussagen ziemlich alt geworden.“

Unterdessen berichtet die „Junge Freiheit“ auf ihrer Onlineseite, daß ein Manager der britischen Großbank HSBC vom Dienst suspendiert wurde. Sein Vergehen: Er verspottete auf einer Konferenz die Angst vor dem Klimawandel – „es gebe „immer irgendeinen Verrückten“, der das „Ende der Welt“ prophezeie. „Nicht fundierte, laute, parteiliche, eigennützige, apokalyptische Warnungen“ stimmten nie.


Zwei Buchempfehlungen zum Thema, zwar etwas älter, aber inhaltlich nach wie vor gültig:

Heinz Hug
Die Angsttrompeter: Dioxin im Frühstücksei, Pestizide überall und trotzdem leben wir immer länger. Die Wahrheit über die Gefahren aus der Umwelt
Gebundene Ausgabe, 360 Seiten, 2006
Dirk Maxeiner & Michael Miersch
Lexikon der Öko-Irrtümer 
Taschenbuch, 494 Seiten, 2000

Alles Trans oder was?

Die Titelseite der HNA vom vergangenen Montag hat eindrucksvoll vorgeführt, welche inhaltliche Prioritätensetzung die Redaktion vornimmt: Ein großer Kasten mit Bild weist auf die Schauspielkarriere einer Kasseler „Transfrau“ hin, die auf der Folgeseite in einem ganzseitigen Interview ein herausragendes Forum findet. Worum geht es? Es scheint sich biologisch um eine Frau zu handeln, die sich nicht als normale Frau fühlt, die einen biologischen Mann spielt, der sich als Frau fühlt… man will sich das gar nicht vorstellen. Wie auch immer, da konnte ich gleich weiterblättern auf Seite 3, ohne mich auch nur länger als drei Sekunden auf der vorhergehenden mit dem Interview aufzuhalten.

Weiterlesen

„Bäumchen wechsel dich“: Das neue „Normal“ in der HNA

Aber ganz ehrlich, es ist in den letzten Jahren viel gesagt worden über die Blase, in denen sich der deutsche Journalismus bewegt. Einer seiner Lieblingsthemen ist die aus den USA zu uns übergeschwappte „woke“ Subkultur vor allem sexueller Minderheiten, deren Größe weit über ihre tatsächliche Bedeutung hinaus aufgeblasen wird, in allen tiefschürfenden Details. Was früher als Persönlichkeitsstörung ein Fall für den Psychiater war, ist heute höchster Ausdruck eines neuen zivilreligiösen Kultes um „Diversity“, der von der „Rest“-Gesellschaft nicht nur Akzeptanz fordert, sondern Respekt für sein Anderssein, mit allen Ansprüchen auf Förderung. Der britische Publizist Douglas Murray hat dazu geschrieben: „Von dem ganzen Wahnsinn der Massen, den wir derzeit erleben, sticht Trans insofern hervor, als dass es eine Art Rammbock geworden ist – als ob es das letzte fehlende Stück wäre, um die große patriarchalische Mauer endgültig niederzureißen.“

Ein deprimierendes Ergebnis dieser zweifelhaften Entwicklung ist die erklärte Absicht der Ampel-Regierung, bereits 14jährigen die irreversible, einer Verstümmelung gleichkommende Geschlechtsumwandlung auf eigenen Wunsch hin auf Kosten der Krankenkasse zu erlauben! Es ist paradox: Sexuelle Devianz ist das neue „normal“. Wer laut Zweifel äußert, dem winkt die juristische Keule des „Hass-Verbrechens“.

In diesen Zeiten, wo uns Kriegsangst, Inflation, Covid-Panikmache und vieles andere von existenzieller Bedeutung umtreiben, den zahlenden Lesern einen solchen Mist vorzusetzen, kann man sich eben nicht anders erklären als mit dem besagten Blasendenken des journalistischen Milieus. Dort muss man derartige Themen wahnsinnig „hip“ finden, ohne auch nur einen kritischen Gedanken daran zu verschwenden. Daß die Mehrheit der Leser dem auch nur etwas abgewinnen kann, ist jedenfalls eine gewagte Annahme. Wer derart seine Zeitung gestaltet, der hat sich die Flucht der Leser redlich verdient.

Die geistigen Verheerungen „woker“ Kultur.
Douglas Murray
Wahnsinn der Massen: Wie Meinungsmache und Hysterie unsere Gesellschaft vergiften
2020, 352 Seiten, 24,99 Euro

Der Herr Carl und die Pressefreiheit

Es konnte nicht ausbleiben, daß die HNA am vergangenen Montag gleich auf ihrer Titelseite den Tag der Pressefreiheit in seiner Bedeutung würdigte. In der Kolumne „Standpunkt“ zog Nachrichtenredakteur Jörg S. Carl den Bogen zu den russischen Verhältnissen, wo die Pressefreiheit nicht gegeben ist: „Das System Putin hat die Medien im Land gleichgeschaltet und der staatlichen Kontrolle unterworfen.“

Weiterlesen

HNA-„Standpunkt“ vom 03. Mai 2022

Dem wiederum stellt er die Verhältnisse in Deutschland gegenüber, wo es „glücklicherweise keinen Mut [bedarf]“, um kritische Dinge zu schreiben, denn hier scheinen für die Pressefreiheit ideale Zustände zu herrschen: „Nur sie garantiert einen unabhängigen Journalismus, der die Fakten abbildet und der Wahrhaftigkeit verpflichtet ist. Als elementarer Bestandteil des demokratischen Systems ist die Pressefreiheit nicht hoch genug einzuschätzen, weil sie das Funktionieren eines demokratischen Gemeinwesens erst möglich macht. (…) Sie ist Voraussetzung für die Meinungsbildung, für die Freiheit der kritischen Rede und der kontroversen Debatte. Darum ist sie einer der zentralen Unterschiede zwischen Demokratie und totalitärem Staat.“- Platituden aus der Echokammer eines Mainstreamjournalisten.

Herr Carl schaut gen Osten und übersieht die keineswegs seinem Idealbild entsprechende Realität hierzulande. Gewiß, in Deutschland riskiert kein Journalist Lagerhaft, wenn er die Regierung kritisiert. Doch auch hier gibt es jenseits eines immer enger gewordenen Meinungskorridor toxische Tabus, die laut anzurühren, empfindliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Was würde einem Journalisten eines großen Pressemediums widerfahren, wenn er nur allein in der Redaktionskonferenz einen der folgenden K.O.-Sätze äußert:

  • Der Westen trägt eine Mitverantwortung am Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine
  • Fridays for Future ist eine Polit-Sekte
  • Gender Mainstreaming ist eine Pseudowissenschaft
  • Die Wirksamkeit der staatlichen Corona-Maßnahmen und der Impfungen auf das Pandemiegeschehen werden weit überschätzt
  • Die Gefahren des Klimawandels werden medial überhöht
  • […]

Belassen wir es bei diesen Punkten, denen wir noch viele weitere anhängen könnten. Wie auch immer, es sind Sätze, die ihren Sprecher sehr einsam werden lassen, zum Unberührbaren, zur Unperson, der für eine weitere Beschäftigung in den MSM zu ungenießbar geworden ist. Wer sich derart äußert, riskiert hierzulande zwar keine 15 Jahre Gefängnis, aber ein informelles Berufsverbot – und zwar lebenslänglich! Und auch Herr Carl hat in seinen Texten nie etwas anderes getan, als sich in den besagten Meinungskorridor zu bewegen und sich seiner Verengung geschmeidig anzupassen.

Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle die Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise des heutigen Journalismus zu erörtern. Tatsache jedoch ist, daß sie besteht, von vielen Medienkonsumente als solche benannt wird („Lügenpresse“) und auch Thema zahlloser Fachartikel und -publikationen ist. Am deutlichen wurde dieser Mißstand zuletzt in der Coronapandemie, als sich die Mainstreammedien zu regierungsfrommen Verlautbarungsorganen erniedrigt haben, die jeden Zweifler zum „Schwurbler“ und „Querdenker“ diffamierten. Die HNA ist dabei keine Ausnahme, die sonst nichts anderes tut, als dem von den großen Pressehäusern vorgegebenen „Trend“ zu folgen, anstatt eigene Akzente zu setzen.

Eigentlich hätte es Herr Carl gar nicht so schwierig, sich Anschauungsmaterial zu besorgen, wie guter, kritischer Journalismus geht. Das nonkonforme und zunehmend populärere Magazin „Tichys Einblick“ wird in der hauseigenen Druckerei der HNA produziert.

Aber dennoch werden wir uns hüten zu behaupten, Herr Carl sei ein branchentypisches Beispiel dafür, daß man auch trotz abgeschlossenem Studium der Politikwissenschaften und mit jahrzehntelanger Berufserfahrung als Lohnschreiber einer Provinz-Journaille nur über eine beschränkte Sicht verfügen kann – auf sich selbst, seinen Beruf und die Welt insgesamt.

Zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“

Aus der christlichen Tradition kommt die Spruchweisheit, daß nur ein kurzer Weg zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“ besteht. Damit bezieht sie sich auf jene Phase der Evangelien, in denen Jesus Christus am Ende seines Lebensweges unter den Hosianna-Rufen (Hosianna: „Hilf doch!“, „Hilf bitte!“) des Volkes in Jerusalem einzieht und nur wenige Tage später auf Zuruf des gleichen Volkes dem Henker überantwortet wird, der ihn ans Kreuz schlägt. Die höhnische Aufschrift über ihm: „Jesus von Nazareth – König der Juden“.

Gewiß, der SPD-Politiker Karl Lauterbach ist von den Medien nicht zum Messias erhoben worden, aber doch zu einer Art Erlösergestalt, die uns aus der Krise der Corona-Pandemie führen soll. Nach jahrelangem Dasein als einfacher Bundestagsabgeordneter hatte er nach der Bundestagswahl endlich den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreicht: Im Kabinett der von Olaf Scholz geführten Bundesregierung nahm er den Posten des Gesundheitsministers ein.

Weiterlesen

Die Medien waren voll des Lobes für Lauterbachs Aufstieg. Geradezu hymnische Lobgesänge kamen aus den den strengen Corona-Kurs stützenden Mainstreammedien. Auch die nordhessische Monopolzeitung HNA (Hessische/Niedersächsische Allgemeine) bot in einem peinlich zu lesendem Elaborat geradezu schleimige Stilblüten. Nach nur wenigen Wochen im Amt urteilte offenbar in Abwesenheit eines kritischen Sachverstandes am 10. Januar der Leiter des Kasseler Lokalredaktion Florian Hagemann:

Lauterbach hat es in wenigen Wochen im Amt längst zu King Karl geschafft… Lauterbach ist omnipräsent, er ist Karl Überall. (…) Das ist insofern erstaunlich, als dass es diese Art von Politiker bisher eigentlich gar nicht gab. Lauterbach ist nämlich immer noch in erster Linie Professor, der die Dinge versucht, mit seinem Hintergrund als Wissenschaftler zu erklären – untermauert mit dem Hinweis auf diese und jene Studie. Seine Vergangenheit verleiht dem Mediziner dabei die nötige Glaubwürdigkeit. (…)

Dass sehr viele Menschen Lauterbachs Art honorieren und sie sich nach genau einem solchen Fachmann im Amt sehnen, ist ein gutes Zeichen. Die hervorragenden Umfragewerte für einen wie Lauterbach könnten die Besetzung von Ministerposten schließlich nachhaltig verändern – und damit auch den politischen Stil an sich. Der kraftprotzende Machtpolitiker vom Schlage Schröder ist heute sowieso längst Außenseiter und wirkt von vorgestern. Olaf Scholz hat es nicht mit Wumms ins Kanzleramt geschafft, sondern als eine Art zweite Angela Merkel. Vizekanzler Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner fallen eher durch ihre smarte Art auf als durch Gebrüll – der philosophierende Welterklärer Habeck freilich mehr als der temperamentvollere Lindner. Die Beliebtheitswerte von Karl Lauterbach erreichen aber auch sie nicht. Womöglich aus einem einfachen Grund: Weil Karl Lauterbach sich nicht verstellen muss, um einfach Karl Lauterbach zu sein.

HNA vom 10. Januar 2022

Warnende Vorbilder für derart medial gehypte Höhenflüge, die wie Ikarus nach zu starker Annäherung an die Sonne schnell und schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen fallen, gab es bis dahin genug: Karl-Theodor zu Guttenberg, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere wegen einer gefälschten Dissertation aus dem Amt des Verteidigungsministers flog, und Matthias Platzek, der mit viel Vorschußlorbeeren aus den Medien bedachte SPD-Vorsitzende, der aber nach nur einem halben Jahr der Überforderung aus dem Amt floh, sind nur zwei prominente Beispiele.

Denn inzwischen dreht sich der Wind aus der Wissenschaft und den dem Mainstreammedien gegen Lauterbach. Seine fortlaufende Masche, apokalyptische Sirenengesänge vorzutragen über die unvorhersehbaren und rein spekulativen Gefahren aus der Zukunft, in der sich das Coronavirus zu einer „Killervariante“ entwickeln würde, haben offenbar bei nicht wenigen Experten den Geduldsfaden reißen lassen. Und das erstaunliche ist: Aus den Mainstreammedien stellt sich kaum einer schützend vor den Minister.

In der HNA vom 20. April waren nun in der „Standpunkt“-Kolumne aus der Feder von Ulrich Riedler folgende erstaunliche Worte zu lesen:

Das Gesundheitsministerium zählt gewiss nicht zu den einfachsten Ressorts der Bundespolitik. (…) Und es erweist sich erst recht in Krisenzeiten mitunter als halsbrecherisch. Zuletzt stürzte ein Hoffnungsträger der Christdemokraten darüber. Dessen SPD-Kollege und Nachfolger Karl Lauterbach ist nun auf dem besten Wege, es Jens Spahn gleich zu tun. (…)

Seither hat sich Lauterbach Mühe gegeben, in der Welt der Realpolitik zu reüssieren, doch einiges mutet bislang befremdlich an. Erst ließ er sich beim Thema des Endes der Corona-Isolationspflicht im Kabinett die Butter vom Brot nehmen, um diese Lockerung wenig später wieder zu kassieren – im Fernsehen. Nun warnt er in der „Bild“-Zeitung vor Killerviren im Herbst, was ihm erneut massive Kritik einbringt.

Wie ministrabel ist Lauterbach überhaupt? Noch immer tut er sich schwer damit, dass man genau abwägen muss, wo man sich in welcher Form äußert. Auftritte in Talk-Shows und Interviews für die Boulevard-Presse sind eher hinderlich, wenn es um Strategien der Pandemie-Bekämpfung geht.

Ein Politiker unterscheidet sich vom Wissenschaftler nicht nur durch Dickfelligkeit, sondern auch durch Pragmatismus und das Gespür für richtiges Timing. All dies fehlt dem Experten Lauterbach noch. Er täte gut daran, es schnell zu lernen.

HNA vom 20. April 2022

Gerade einmal 101 Tage liegen zwischen den beiden vollkommen konträren „Standpunkt“-Kolumnen Hagemanns, der Lauterbach zum König krönte, und Riedlers, der ihn entzauberte. Noch ruft niemand nach Entlassung des Ministers, aber es sieht ganz danach aus, als ob der als Adler gestartete Lauterbach gerade dabei ist, seinen Sinkflug zum Bettvorleger hinzulegen. Von „König Karl“ wie HNA-Redakteur Hagemann oder gar „Karl der Große“ (DIE ZEIT) will niemand mehr reden.

Inzwischen dürfen wir uns verwundert die Augen reiben, wenn uns auf WELT Online die Journalistin Anna Scheider eröffnet, daß Karl Lauterbach in der Bundestagsfraktion der SPD alles andere als beliebt ist. Man beginnt zu ahnen, welch vergiftetes ausgerechnet von jenen auf die Oppositionsbänken verbannten Unionspolitikern kam, die Lauterbach als Idealbesetzung für das Gesundheitsressort empfahlen, so als ginge es ihnen in Wahrheit darum, den „Laden“ von innen her aufzulösen.

Es lichten sich also zunehmend die Schleier und offenbaren uns das Bild eines Mannes, der allein durch seine Talkshowpräsenz als Endzeitprediger und Angsttrompeter glänzte, aber nie als kompetenter Experte, der fähig wäre, ein Ressort wie das Gesundheitsministerium zu leiten, geschweige denn, eine Krankheit wie Covid-19 realistisch einzuschätzen. In seinem Auftreten gab Lauterbach lediglich den Komplementär für die in ihn gesteckten Erwartungen der Medien, mehr aber auch nicht.

Wagen wir zum Abschluß zwei Prognosen:

Karl Lauterbach wird sein Amt nicht bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben. Sein Ende als Minister wird alles andere als rühmlich sein.

Und die Mainstreammedien, denen wir seinen irrealen Aufstieg zu verdanken haben, werden dann als allerletzten in sich gehen und selbstkritisch fragen, welchen Beitrag sie zu diesem absehbaren Desaster geleistet haben.

HNA unser…

Es ist schon einige Jahre her, genaugenommen 2013, da hat ein Nutzer des HNA-Forum namens kloogschieter ein bemerkenswert satirisches Gedicht auf die HNA dort gepostet. Wenig erstaunlich, daß es sehr rasch von der Moderation gelöscht wurde. Glücklicherweise konnte es vorher noch rechtzeitig gesichert werden. Da hinter jenem Vers aber ein kreativer Kopf steckt, ist er es durchaus wert, bei dieser Gelegenheit hier ausgestellt zu werden.

Weiterlesen

kloogschieter, 08. September 2013, 05:41 PM

HNA unser in Kassel,
die du da bist im online,
geheiligt werde deine Recherche,
unsere tägliche Nazistory gib uns heute,
und erinnere uns an unsere Schuld,
wie auch wir ständig für diese Zahlung leisten,
und führe uns nicht in Versuchung aufzubegehren
gegen das neue Versailles,
sondern erlöse uns von unserem Stolz,
denn wir sind ja so böse,
und dein ist die Meinungshoheit,
und die Kraft und Herrlichkeit in Ewigkeit!
Amen

http://www.hna.de/kassel/12000-dokumente-zeigen-terror-3097972.html#comment-1033424857

Stalins Weißwäscher in der HNA

Es vergeht keine Woche, in der die HNA nicht wenigstens an einem Tag die Gelegenheit ergreift, einem mit ihrer Machart und tendenziösen Schlagseite den morgendlichen Kaffee bei ihrer Lektüre wieder hochzutreiben. Gestern war es im Leserforum der Leserbrief eines gewissen Klaus Bremer aus Kassel, der einem auf den Magen schlagen konnte.

Herr Bremer ereiferte sich darin über die auf Putin gemünzte Formulierung vom „Wiedergänger Stalins“ eines anderen Lesers. Stalin, so Bremer, genoß „trotz verschiedener Fehler international hohes Ansehen“. Sogar das Time Magazin kürte ihn 1943 zum „Man of the Year“. Erst die „kalten Krieger“ hätten Stalin nach Ende des WK II „systematisch in den Dreck“ gezogen: „Ein Vergleich mit Putin, der das Recht der Völker mit Füßen tritt und von einem reaktionären, großrussischen Reich träumt, verbietet sich also von selbst.“

Weiterlesen

HNA vom 11. März 2022

Nun, da muß ich Herrn Bremer recht geben. Putin kann man vieles vorwerfen, aber keinen millionenfachen Massenmord, etwa durch staatlichen Terror (u.a. an Tausenden polnischen Kriegsgefangenen im Massaker von Katyn), GULAGs oder auch gezielt herbeigeführten Hungerkatastrophen. Ansonsten hat auch Stalin das Völkerrecht getreten und Angriffskriege angezettelt. Die Erinnerung an den Winterkrieg 1939 ist den Finnen tief in ihrer Erinnerungskultur verankert und auch der Hitler-Stalin-Pakt sollte hier nicht vergessen werden, der das gesamte Baltikum Stalins „progressiven“ Sowjetimperium überschrieb.

Die kruden Ansichten des Geschichtsschwurblers Bremer werden verständlicher, wenn man folgendes über ihn erfährt: Er ist seit Jahrzehnten aktives Mitglied der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), einer vom Verfassungsschutz beobachteten, linksextremen Polit-Sekte, für die er sich schon mehrfach als Bundestagskandidat zur Verfügung stellte (zuletzt 2021). Ein herausragendes Merkmal der MLPD ist ihre ausgeprägte Sympathie für Massenmörder wie Mao Zedong oder eben Stalin. Stalins Nachfolger Chruschtschow, der den Prozeß der Entstalinisierung einleitete, gilt ihnen selbstverständlich als Verräter.

Aber wenn wir eine Verbindung zwischen Stalin und Putin suchen, so ist der Weg der beiden zueinander bemerkenswert kurz. In den vergangenen Jahren erlebte Russland eine unheimliche Renaissance des Stalin-Gedenkens, in dessen Tradition sich der gegenwärtige Kreml-Herrscher zumindest in der Geschichtsdarstellung und beim Militär offenbar implizit stellt.

Gar so weit geht die MLPD allerdings nicht. Aber immerhin stellte sie vor zwei Jahren eine Statue des Stalin-Vorgängers Lenin vor ihrer Zentrale in Gelsenkirchen aus, wo sie bis heute ungestört steht. Und für all diejenigen, die an dieser Stelle den „guten Lenin“ gegen den „bösen Despoten Stalin“ in Stellung bringen, möchte ich ein Zitat des russisch-sowjetischen Reformpolitikers Alexander Jakowlew (1923-2005) anführen:

„In der Geschichte hat es keinen Menschen gegeben, der Rußland mehr haßte, als Uljanow-Lenin. Was immer er anfaßte, verwandelte sich in einen Totenacker, in ein Riesenfeld mit menschlichen, sozialen und ökonomischen Gräben. Alle wurden ausgeraubt – die Lebenden wie die Toten.“

Es ist mühselig, darüber zu spekulieren, wie jemand wie der Stalin-Apologet Bremer allen Fakten zum Trotz an seinem Weltbild festhalten kann. Leute wie er leben in ihrer eigenen Realität, in der sie nur schwer zu erreichen sind, eher gar nicht. Diskussionswürdiger ist aber vielmehr die Frage, wie eine sich seriös gebende Zeitung wie die HNA dazu kommt, einem wie Bremer ein Forum für seine Geschichtsklitterungen zu eröffnen, während hingegen die Moderation auf HNA-Online schon einen Glückwunsch für den Freispruch von Prof. Kutschera in seinem Gerichtsverfahren wegen Volksverhetzung mit einem Bann unterlegt.

Dabei ist Bremer in der Redaktion kein Unbekannter. In der HNA-Ausgabe vom 25.11.2000 erhielt er als Mitbegründer der „AUF Kassel“, ein angeblich bürgernahes Wahlbündnis, das in Wahrheit eine Tarnorganisation der MLPD ist und inhaltlich auch ihre Handschrift trägt, eine ausführliche Möglichkeit der Selbstdarstellung. An Bremers dabei offen vorgetragenen MLPD-Hintergrund hatte sich schon damals niemand in der HNA-Redaktion gestört.

HNA vom 25.11.2021

Also: Wie kommt es, daß der HNA hier jegliches Problembewußtsein abgeht? Man sollte sich über das Bildungsniveau heutiger Mainstreamjournalisten nicht allzu viele Hoffnungen machen. Hauptsache man weiß, wie korrekt gegendert wird, auch wenn einem der „Holodomor“ ein Fremdwort ist. Gerade beim Nachwuchs läuft alles auf die 3G-Regel des Haltungsjournalismus hinaus: „Gender, Greenpeace und Gerechtigkeit“. So kann es kaum verwundern, wenn schließlich ein Leserbrief wie der von Bremer unkommentiert den Weg in die Zeitung findet.

Solche Entgleisungen sind aber nur ein Symptom, das ein bezeichnendes Licht auf die mentalen Verhältnisse in der HNA wirft, wo die Indifferenz nach Links Trumpf ist und selbst die mutmaßliche Anführerin eines Antifa-Rollkommandos zur „Antifaschistin der Herzen“ geadelt wird. Schärfer ist man hingegen zur anderen Seite, wo jeder Kritiker der Corona-Maßnahmen als „Querdenker“ diffamiert und jeder Impf-Skeptiker zum „Schwurbler“ degradiert wird.

Übrigens konnte sich die MLPD-Tarnliste „AUF Kassel“ immerhin fest im Kasseler Stadtteil Rothenditmold etablieren und stellt dort – auch dank der Unterstützung durch die Vertreter der Altparteien – mit dem MLPD-Mitglied Hans Roth sogar den Ortsvorsteher. Aber wäre an Roths Stelle jemand mit irgendwelchen rechten Verbindungen in dieses Amt gewählt worden, das mediale Trommelfeuer der HNA wäre nicht eher verstummt, als bis diese Wahl rückgängig gemacht worden wäre.

Stéphane Courtois (Autor), Nicolas Werth (Autor), Jean L. Panné (Autor), Andrzej Paczkowski (Autor), & 8 mehr
Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror
987 Seiten; 1998

Wer hat diesen Bock zum Gärtner gemacht?

Gefühlt erscheint mindestens jeden zweiten Tag in der „Hessischen Allgemeinen“ ein Bashing gegen die Querdenker und die gegen die Corona-Maßnahmen protestierenden Spaziergänger. Am vergangenen Freitag durfte nun Jakob Alber von der Schulschwänzerbewegung „Fridays for Future“ im gefälligen Interview durch Matthias Lohr seine kritische Sicht auf die Corona-Kritiker darlegen. Die Hauptthesen daraus und ihre Gegenüberstellung mit einem geeigneten Kontext, der eine eindeutige Bewertung ihrer Qualität zuläßt:

Weiterlesen

Matthias Lohr / HNA: Ob Kritiker, Verschwörungsideologen oder „Querdenker“ – wie schätzen Sie die Bewegung ein?
Jakob Alber: In letzter Zeit ist sie immer extremistischer geworden. Ich bekomme die Dynamiken in den Telegram-Gruppen mit. Dort gibt es mittlerweile auch Aufrufe zu konkreter Gewalt. Seitdem die Maßnahmen für Ungeimpfte anziehen und eine Impfpflicht diskutiert wird, werden die „Querdenker“ wütender.

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus234856610/Linksextremismus-bei-Fridays-For-Future-Die-unuebersehbare-Radikalisierung.html

(…) Die Auseinandersetzung ist symptomatisch für den Richtungsstreit in der noch jungen Bewegung, ein bürgerliches konkurriert mit einem antikapitalistischen Lager. Die einen wollen das Wirtschaftssystem umbauen, schneller heraus aus der fossilen Energie. Die anderen liebäugeln mit einem kompletten Umsturz, sie halten den Kapitalismus an sich für die Ursache von Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit. Seit der Gründung von FFF vor gut drei Jahren prägen zwar gemäßigte Stimmen das öffentliche Bild. Doch intern geben Personen wie Luisa Neubauer längst nicht mehr allein den Ton an. Teile der Bewegung kooperieren mit linksextremistischen Kräften. (…)


Bei der Demo der „Querdenker“ soll unter anderem Hermann Ploppa reden, der bei der Bundestagswahl für die Partei Die Basis im Schwalm-Eder-Kreis angetreten ist und dessen Bücher im rechtslastigen Kopp-Verlag erscheinen. Wie gefährlich ist so jemand?
Ich halte ihn für enorm gefährlich. Ploppa schreibt etwa, dass der Geschichtsrevisionist und Holocaust-Leugner Harry Elmer Barnes auf Wikipedia zu unrecht verunglimpft werde. Jemand wie Ploppa wird nicht nur akzeptiert, sondern mit ihm wird geworben, ohne dass es auf Widerstand stößt. Das sagt einiges über die Bewegung aus.

https://www.facebook.com/watch/?v=699076380611877

Greta ist sakrosankt, wie man früher sagte, ne. Darf man Witze über Greta machen? Ich meine, sie meint es gut. Sie ist ein Mädchen. (…) Man sollte sie nicht mit dem Messias verwechseln und das tun viele, nicht? (…) Sie sagt, es geht um Menschenleben. Da hat sie recht. Die Frage ist nämlich, wie viele Menschen kann man in regionaler Biowirtschaft ernähren? Eine Milliarde? Zwei, vielleicht drei, und die Frage ist, wo finden wir dann vier oder fünf Milliarden Freiwillige zum Ableben und wer sucht sie aus, macht Greta das selbst? Ich traue es ihr zu. Den Blick hat dafür hat sie. (…)

https://www.welt.de/politik/deutschland/article231248659/Fridays-for-Future-teilt-antisemitisches-Posting-Deutsche-Aktivisten-distanzieren-sich.html

Fridays for Future Deutschland hat sich von einem Posting distanziert, in dem sich der internationale Teil der Bewegung offenbar mit den Raketenangriffen auf Israel solidarisiert hatte. „Wir stellen uns klar und deutlich gegen jeden Antisemitismus, überall“, kommentierte die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer die Distanzierung des deutschen Ablegers.

Zuvor war auf dem internationalen Kanal von Fridays for Future ein Beitrag erschienen, in dem es hieß: „Wir sind mit dem Herzen bei den Märtyrern und Verstorbenen. Die Gewalt und die verlorenen Leben sind eine Tragödie, und ihr Blut wird nicht vergessen werden. Möge die Erinnerung an sie ein Segen sein und eine Revolution.“


Wie groß ist die Gefahr, dass sich eine neue RAF aus den Reihen der „Querdenker“ bildet?
Eine terroristische Gruppe wie die RAF halte ich für unrealistisch. Aber es gibt definitiv einen Teil, der gewaltbereit ist. Ich halte es für möglich, dass aus der Bewegung heraus Morde initiiert werden.

https://www.welt.de/debatte/plus235214580/Szenario-einer-Gruenen-RAF-Die-Klima-Radikalisierung-war-zu-erwarten.html

Kommt bald ein grüner Terrorismus? Tadzio Müller, einer von Deutschlands prominentesten Klima-Aktivisten, ist davon überzeugt. In einem hochinteressanten Interview mit dem „Spiegel“ sagt der frühere Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitbegründer der Aktionsgruppe „Ende Gelände“ eine schnelle Radikalisierung der Bewegung voraus.

Schon 2022 werde es massive Gewalt gegen Sachen geben, von Geländewagen über Autobahnbaustellen bis zu Gaskraftwerken. Doch selbst diese, so Müller, „Notwehr“ gegen die drohende Zerstörung unserer Zivilisation durch Treibhausgas werde erst der Anfang sein: „Wer Klimaschutz verhindert, schafft eine grüne RAF.“

Diese Argumentation aus dem Maschinenraum der Klimaschützer ist folgerichtig und war zu erwarten. Wer das politische Ziel, also die wie auch immer geartete „Rettung“ des Klimas, zum höchsten Gut erklärt, kann darüber nach den festgelegten Regeln des Rechtsstaates nicht mehr verhandeln. (…)


Wurden Sie selbst schon bedroht?
Konkret bedroht wurde ich nicht, aber ich fühle mich nicht ganz wohl damit, mich so öffentlich zu zeigen. Trotzdem will ich mich nicht einschüchtern lassen.

https://www.welt.de/vermischtes/article234013244/Fridays-for-Future-Taetlicher-Angriff-auf-Kernkraft-Aktivistin-bei-Klimademo.html

(…) Ein Video zeigt den Vorfall in Berlin. Dabei ist zu sehen, wie ein Mann sich von hinten nähert, Augustin an die Handgelenke greift, um ihr das Schild zu entreißen. Als die Aktivistin nicht loslässt, bringt er sie beinahe zu Boden. Die Umstehenden johlen und klatschen. Kurze Zeit später ist das Schild zerbrochen. (…)

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus211427667/Fridays-for-Future-und-Ende-Gelaende-Klimaschutz-Systemwechsel.html

Am 23. Juni fliegen im Hambacher Forst wieder einmal Böller auf Polizisten. Eine Frau versucht, einen Beamten zu beißen, ein Mannschaftswagen wird mit Exkrementen beschmiert. So hält es die Polizei später fest. Seit Jahren gilt „Hambi“, der Wald, als Symbol für den Kampf zwischen Klimaschützern und der Kohlebranche. Zwischen den Bäumen mischen Anhänger der führenden Bewegungen um Fridays for Future und Ende Gelände mit. Längst steht ein Kompromiss: Hambi bleibt. Doch selbst ernannte Aktivisten führen den Protest weiter – und die amtliche Bilanz nach knapp zwei Jahren lautet: 2994 Straftaten, darunter 39 Brandstiftungen und 58 Körperverletzungen. Das teilt das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen auf Anfrage mit. (…)


In den Telegram-Gruppen der „Freien Bürger“ werden zum Teil krude Verschwörungserzählungen verbreitet. Anders als in anderen Städten verliefen die Spaziergänge und Demos in Kassel jedoch bislang friedlich. Und Protest ist ja legitim. Müsste eine Demokratie eine Minderheit, die montagabends spazieren geht, nicht aushalten? Oder sind Sie für ein Verbot solcher Aufzüge?
Kritik am staatlichen Handeln ist selbstverständlich legitim. Dafür gibt es in einer Demokratie klare Spielregeln. Wer Veranstaltungen anmeldet, darf eine ganze Menge. Selbst ein Protest auf der Autobahn ist möglich. (…)

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article218717380/Dannenroeder-Wald-Selbst-ernannte-Aktivisten-betreiben-Terrorismus.html

Die Wälder im deutschen Herbst strahlen gelb, orange und rot. Am Horizont geht die Sonne auf, die Wolken sind lila. Und dann bei Wiesbaden ist da auf einmal ein Stau. Ein Glück, dass nichts passiert, kein Lkw einen Kleinwagen in den nächsten Laster schiebt und die Insassen an diesem Montag sterben lässt und Menschen irgendwo anders zu Witwen oder Waisen macht.

Die Ursache des Staus an diesem Morgen sind Menschen, die sich an Seile gebunden von einer Autobahnbrücke baumeln lassen, um den demokratisch beschlossenen und legitimierten Bau der A49 durch den Dannenröder Forst zu verhindern. Und diese Menschen nennen sich Aktivisten.

Was die Jugendlichen von Fridays for Future geschafft haben, eine weltweite friedliche Bewegung für den Klimaschutz auf die Straße zu bringen, drohen diese Kriminellen zunichtezumachen. Sie instrumentalisieren das legitime Anliegen für mehr Klimaschutz und machen daraus: Terrorismus. (…)


Viele Kritiker der Corona-Maßnahmen sehen sich zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt und beteuern, sie seien ganz normale Bürger aus der Mitte der Gesellschaft. Sehen Sie die Gefahr, dass man diese Menschen durch Gegenkundgebungen in die Arme von Radikalen treibt?
Ja, diese Gefahr sehe ich. Natürlich sind nicht alle „Querdenker“ rechtsextrem. Aber sie haben kein Problem, mit Rechtsextremen auf die Straße zu gehen. Ich unterstelle jedem Einzelnen von ihnen, das nicht zu kritisieren. Das muss gesagt werden.

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/corona-proteste-buergerliches/

Brandenburgs Innenstaatssekretär Uwe Schüler (CDU) hat der Ansicht widersprochen, bei den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen handele es sich überwiegend um Extremisten. „Das bürgerliche Spektrum geht momentan auf die Straße“, sagte er laut Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch im Innenausschuß des Landtages. (…)

https://www.welt.de/politik/deutschland/article236205086/Verfassungsschutz-Rechtsextreme-bei-Corona-Protesten-nicht-in-der-Mehrheit.html

An den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen beteiligen sich vor allem Bürger ohne Extremismus-Bezug. Das hat der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, am Mittwoch im Innenausschuss des Bundestages erklärt. Wie WELT aus Teilnehmerkreisen erfuhr, sagte Haldenwang, der „überwiegende Teil“ seien „normale“ Bürger.

Den Angaben zufolge erklärte der Verfassungsschutzpräsident, Rechtsextremisten würden sehr wohl weiterhin versuchen, einen prägenden Einfluss zu erhalten – ihr Erfolg sei bislang jedoch mäßig. Rechtsextremisten setzten auf „Visibilität“ und wollten ihre Bedeutung größer erscheinen lassen als sie tatsächlich sei. (…)


Wer mit „Querdenkern“ diskutiert, wird feststellen, dass das sehr schwierig ist. Ist ein Diskurs mit den Impfgegnern überhaupt möglich?
Bis zu einem gewissen Punkt schon. Aber das ist immer schwierig, weil die „Querdenker“ die Erkenntnisse der empirischen Wissenschaft nicht zur Kenntnis nehmen. Vorigen Samstag habe ich eineinhalb Stunden mit zwei Teilnehmern diskutiert. Das war ein spannendes Gespräch. Bis einer sagte, den Holocaust zu leugnen, sei Meinungsfreiheit. Da war ich raus. Grundsätzlich halte ich es aber für gut, respektvoll miteinander zu reden.

https://www.welt.de/vermischtes/plus216429948/Clemens-Traub-Ausgestiegen-bei-Fridays-for-Future.html

WELT: Sie sagen: Anfangs waren auch Sie bei Fridays for Future dabei. Dann haben Sie sich von der Bewegung abgekehrt. Wann kam es zur Entfremdung?

Traub: Ich habe gemerkt, dass viele meiner Mitstreiter überzeugt waren, die einzige Wahrheit gepachtet zu haben. Das Denken konzentrierte sich zunehmend auf ein Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse. Irgendwann fühlte sich der Klimaprotest an wie ein totaler, autoritärer Kampf gegen den Rest der Menschheit. (…)

Fridays for Future tritt nur noch mit der absoluten Gewissheit auf, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Kompromisse, die so wichtig für unser Zusammenleben sind, werden da als verwerflich betrachtet. Viele Aktivisten sehen in demokratischen Prozessen mittlerweile einen Verrat an der Zukunft der Menschheit. (…)

Wir leben schon jetzt in einer Zeit der Polarisierung. Es wird eine noch größere Spaltung geben, wenn nicht auch die Klimaschützer rhetorisch herunterschrauben und den totalitären Wahrheitsanspruch ablegen. Sogar viele, die aus der ursprünglichen Klimaschutzbewegung stammen und den Grünen nahestehen, sagen mir mittlerweile: In der Sache richtet Fridays for Future Schaden an.


Jakob Alber beobachtet mit dem Schwurblerticker-Kanal auf Telegram die Szene um die Corona-Kritiker. Es stellt sich dabei die alte Frage: Wer kontrolliert den Beobachter?

Die HNA, Karl Lauterbach und der Flug des Ikarus

Ob dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) eine Träne der Rührung über die Wange lief, als er am vergangenen Samstag diesen Tweet absetzte: „Einfach mal Danke!“ Anlaß war die Titelseite der Thüringer Allgemeinen (TA), die mit einem großen Schaubild das Stärkeverhältnis der Impfkritiker sowie der die staatlichen Corona-Maßnahmen ablehnend gegenüberstehenden Minderheit, die mit „illegalen“ Spaziergängen ihrem Protest Ausdruck verschafft, gegenüber der überwältigenden Mehrheit, die durch die Impfung ihre angebliche Akzeptanz der Maßnahmen zeige.

Eine steile These, wo bekanntermaßen auch nicht wenige Geimpfte sich unter die Spaziergänger begeben haben. Aber in Corona-Zeiten ist das mit den Zahlen und Daten so eine Sache. Da wurde in einigen Bundesländern bislang bei der Intensivbelegung das beträchtliche Dunkelfeld derer, deren Impfstastus nicht bekannt war, einfach den Ungeimpften zugerechnet. Es dauerte jedenfalls nicht lange, und Ramelows Tweet geriet zum Rohrkrepierer, als nicht wenige geschichtsbewußte Follower Ramelow auf gewisse heikle historische Parallelen hinwiesen, die sie auch noch mit zeitgenössischen Dokumenten belegen konnten. So mit der Schlagzeile aus dem Neuen Deutschland vom März 1988: „Der neue ‚Glasklar‘-Kurs der SED erobert die Herzen der Massen“.

Dieser kuriose Vorgang beleuchtet eindrucksvoll die Wahrnehmung vieler Bürger, wonach es nach Eurorettung und Migrationskrise nun in der Corona-Pandemie zu einem erneuten Einvernehmen zwischen Medien und Regierung gekommen ist. Die „Vierte Gewalt“ hat ihre Kontrollfunktion endgültig aufgegeben und unterstützt unkritisch einen Regierungskurs, der in weiten Teilen der Bevölkerung keine Akzeptanz mehr findet.

Weiterlesen

Auch in unmittelbar nächster Nachbarschaft zu Erfurt, in Nordhessen, spielte sich dieser Tage das Drama des unbegabten Journalisten als regierungsamtliches Sprachrohr in ähnlicher Weise ab. Zwei Tage nach besagter Ausgabe der TA demonstriert die Hessische Allgemeine (HNA) auf ihrer Titelseite in der Rubrik „Standpunkt“ den engen Schulterschluß zwischen Regierung und Mainstreammedien-„Intelligenzija“: „Lauterbach im Umfragehoch / King Karl – die neue Art, Politik zu machen“. Florian Hagemann, Leiter der Lokalredaktion Kassel, ergießt sich darin zu einer regelrechten Lobhudelei:

Lauterbach hat es in den ersten Wochen im neuen Amt längst zu King Karl geschafft: Er twittert fleißig, wird mal in die Tagesthemen geschaltet, mal ins Heute-Journal, er schaut mal bei Anne Will vorbei, mal bei Maybrit Illner, heute Abend ist er bei Frank Plasbergs „Hart aber fair“ zu Gast. Lauterbach ist omnipräsent, er ist Karl Überall. (…)

Das ist insofern erstaunlich, als dass es diese Art von Politiker bisher eigentlich gar nicht gab. Lauterbach ist nämlich immer noch in erster Linie Professor, der die Dinge versucht, mit seinem Hintergrund als Wissenschaftler zu erklären – untermauert mit dem Hinweis auf diese und jene Studie. Seine Vergangenheit verleiht dem Mediziner dabei die nötige Glaubwürdigkeit.

Und zum krönenden Abschluß, warum die Beliebtheitswerte der Minister Habeck und Lindner nicht an die von „King Karl“ reichen:

Womöglich aus einem einfachen Grund: Weil Karl Lauterbach sich nicht verstellen muss, um einfach Karl Lauterbach zu sein.

An dieser Stelle hätte ich noch erwartet: „Majestät, Ihr seid die Sonne…“

HNA-Standpunkt vom 10.01.2022

Als erstes kommt beim Lesen der Verdacht auf, mit diesem schleimigen Text will Hagemann sich für den Posten des Bundestagspoeten vulgo „Hofschranze“ (Don Alphonso) bewerben, den die Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckhardt so gerne ausschreiben will.

Aufhänger der Thesen Hagemanns sind die Umfragen zu Lauterbachs Beliebtheit (66 Prozent bei Dimap). Doch mit demoskopischen Beliebtheitswerten ist das so eine Sache. Eine ungeschriebene Grundregel dabei lautet, daß die Beliebtheit eines Politikers mit seiner Medienpräsenz korreliert, egal, was er dabei zu sagen hat. Und wie diese Präsenz nun zustande kommt, wäre eine eigenständige Untersuchung wert, nach welchen Kriterien jemand wie Lauterbach die Dauereinladungen in die Talkshows des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks erhält und welche Fäden im politisch-medialen Komplex hier gezogen werden. Transparent sind diese jedenfalls nicht, allenfalls zu erahnen.

Was Lauterbach für diese Rolle sicherlich prädestiniert, ist sein professoraler Auftritt, in dem er mit sorgenvoller Miene Endzeitstimmung verbreitet. In seinem Buch „Das Ende der Welt. Von Ängsten und Hoffnungen in unsicheren Zeiten“ (2012) ist der Buchautor Christian Schüle auch auf „das Ende der Welt als deutsches Geschäft“ eingegangen. Neben den US-Amerikanern gäbe es kein zweites Volk, das bedingt durch seine wechselvolle Geschichte den Hang zur Apokalypse derart zur Lust verinnerlicht hätte wie das der Deutschen. Deutschland als „das Land der Apokalypse“ – und kein Gesicht passt besser dazu als das von „King Karl“ Lauterbach.

Wenn sich Lauterbachs düstere Voraussagen nicht erfüllen – geschenkt. Daß er den größten Stuß als wichtige Erkenntnis herausposaunt, von der am Folgetag nichts mehr übrig bleibt – vergessen. Die Frage nach seiner tatsächlichen ärztlichen Qualifikation, die angeblich nur im Gesundheitsmanagement liegt – irrelevant. Frei von jedem Selbstzweifel vollzieht er seine Auftritte. Und die Mainstreammedien folgen brav, solange Lauterbach seiner Rolle als zivilreligiöser Prophet, der Apokalypse und Erlösung anbietet, zur Zufriedenheit derer ausfüllt, die ihn nach vorne stellen.

Doch das muß so nicht auf Dauer bleiben. Die Liste der Senkrechtstarter, die gescheitert an sich selbst aus großer Höhe gefallen sind, ist lang. Denkt da noch wer an Matthias Platzeck, der 2005 vom glücklosen Franz Müntefering den Vorsitz der SPD übernahm? Bedacht mit Vorschußlorbeeren von den Medien und ausgestattet mit einem Rekordvotum vom Parteitag warf er ein halbes Jahr später das Handtuch, eine vergessene Fußnote der deutschen Parteiengeschichte als der SPD-Vorsitzende mit der kürzesten Amtszeit in der Bundesrepublik.

Spektakulärer ist da der Fall Karl-Theodor zu Guttenberg, der es schaffte, selbst so skeptische Geister wie den konservativen Publizisten Karlheinz Weissmann zu blenden. Als Verteidigungsminister aus altem Adel schien ihm alles zu gelingen, und selbst in der „heute show“ wurde er vollkommen unironisch „der Mann, der alles kann“ genannt. Bis im Februar 2011 mit der Aufdeckung seiner Dissertation als billiges Plagiat innerhalb von zwei Wochen sein tragikomischer Absturz zum Lügenbaron erfolgte.

Wer hoch steigt, kann tief fallen, sagt der Volksmund. Die griechische Mythologie kennt hierfür die Figur des Ikarus, der mit selbstgemachten Flügeln der Sonne unvorsichtig zu nahe kommt, so daß das zusammenhaltende Wachs zerfloß und Ikarus zu Tode stürzte.

Sieg und Niederlage, Schmerz und Vergnügen, sie liegen nahe beieinander. Und Politik ist umso mehr ein Drahtseilakt, je höher man steigt. Das gilt auch für jemanden wie Karl Lauterbach, bei dem schon erste Anzeichen erkennbar sind, nicht begriffen zu haben, daß ein Ministeramt andere Anforderungen stellt als ein Abgeordnetenmandat. Schneller als gedacht könnte es sich erweisen, daß hinter der Warnung seiner Ex-Frau Angela Spelsberg, bekannt als ausgezeichnete Epidemiologin und Wissenschaftlerin, Lauterbach werde einem Ministeramt nicht gerecht, mehr steckt als nur ein Rosenkrieg.

Der tiefe Sturz eines Politikers ist nicht nur eine Blamage für den Betreffenden; sie ist es ebenso für die Medien, die sich devot anbiederten und ihn in unkritischer Weise nach oben schrieben. Journalisten sind daher auch in diesem Fall gut beraten, dem Grundsatz zu folgen, nahe bei der Sache zu sein, und dabei doch eine innerliche, kritische Distanz zu den Akteuren zu bewahren. Wenn „King Karl“, warum auch immer, sich als Luftikus entpuppt und von seinem Thron stürzt, was wird Hagemann dann im Rückblick zu seinem bereits aus heutiger Sicht Fremdscham erzeugendes Elaborat sagen…?

 

Der Klassiker zum Thema:

Udo Ulfkotte
So lügen Journalisten
Der Kampf um Quoten und Auflagen (2001)
Nur noch antiquarisch erhältlich