Der Liquidator der Römischen Republik

Das historische Porträt: Gaius Julius Cäsar

An warnenden Vorzeichen hatte es nicht gemangelt. Doch weder die düsteren Prophezeiungen seines Auguren Spurinna noch die Albträume seiner Gattin Calpurnia in der Vornacht konnten Gaius Julius Cäsar davon abhalten, die an den Iden des März, dem 15. März 44 v. Chr. anberaumte Senatssitzung aufzusuchen. Rund 60 Verschwörer aus der Senatsaristokratie – darunter auch sein mutmaßlicher Sohn Brutus – erwarteten ihn, die Dolche unter der Toga versteckt, um schließlich loszuschlagen. Am Ende zählte der von einer geballten Ladung leidenschaftlichen Hasses entstellte Körper des Opfers 23 Stiche. Cäsar starb 56jährig den Tod, den er sich immer gewünscht hat, den „plötzlichen und unerwarteten“.

Weiterlesen

Der erst wenige Wochen zuvor nach einem Bürgerkrieg, aus dem er als Sieger hervorging, zum römischen Diktator auf Lebenszeit ernannte Cäsar war am Ende nicht nur auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Nie zuvor in der Geschichte Roms hat ein Mensch ein derart gewaltiges Imperium mit einer solchen Machtfülle regiert. Seine Feldzüge führten ihn von Britannien bis nach Ägypten. Seine Liaison mit der ägyptischen Königin Kleopatra bietet bis heute Stoff für Romantiker und Hollywood-Klischees.

Erst sein blutiges Ende machte Cäsar im historischen Sinne unsterblich. In seiner Bekanntheit dürfte dieses politische Attentat auf einer Stufe mit der Ermordung Kennedys stehen. Die sich daraus ergebende Faszination ist ungebrochen und schlägt sich in einer nicht enden wollenden Ausgabe von Biographien nieder.

Cäsars Weg an die Spitze zeichnete sich dadurch aus, daß ihm der Erfolg keineswegs, wie in dynastischen Erbfolgen üblich, in die Wiege gelegt wurde. Er mußte ihn sich hart erkämpfen. Die Adelsfamilie der Julier, in die er 100 v. Chr. hineingeboren wurde, verfügte nur über einen alten Namen, aber nicht über Reichtümer.

Die römische Republik seiner Zeit wurde auf dem Grundsatz gegründet, niemals die unumschränkte Herrschaft eines Einzelnen zuzulassen. Machtteilung und durch Wahlen vergebene Ämter auf Zeit waren die tragenden Säulen ihrer Verfassung. An der Spitze des Staates standen nach dem Kollegialitätsprinzip zwei auf ein Jahr gewählte Konsuln. Doch von Anfang an bestand das Problem, daß dieses System den gleichzeitig von der Tradition geförderten Ehrgeiz, im gegenseitigen Wettbewerb nach höchster Ehre zu streben, immer schwerer eindämmen konnte. „Gerade weil die Römer größeren Durst nach Ehre verspürten als jedes andere Volk auf der Welt, waren sie ihren Gefahren gegenüber stärker auf der Hut. Je süßer der Ruhm, desto größer die Gefahr der Vergiftung“ (Tom Holland). Und Ruhm erwarb der Römer vor allem durch militärische Erfolge, die die Grundlage für eine spätere politische Karriere legten. Ruhm war für die Römer wichtiger als Frieden und der eigentliche Motor ihrer Expansion, die in Cäsars Ära fast das gesamte Mittelmeer umfasste.

Zudem erschütterte die sich verschärfende Agrarkrise die römischen Kernlande, mit immer größeren Massen verarmter Bauern, die das Heer des urbanen Plebs vergrößerten. In der zunehmenden Polarisierung standen sich zwei Parteiungen gegenüber, die alteingesessene Senatsoligarchie der Optimaten, die starr auf dem Status quo bestand und die Popularen, die sich der Volksmassen als Machtbasis bedienten.

Aufgrund seiner Herkunft stand Cäsar den Popularen nahe. Sein Aufstieg über die Ämterlaufbahn war gekennzeichnet von Extravaganz und äußerster Freigiebigkeit, durch die er das Volk nach dem klassisch-römischen Prinzip „Brot und Spiel“ unterhielt und damit auf seine Seite zog. Sein Talent als politischer Überlebenskünstler bewies er dadurch, daß er unbeschadet durch die Catilinaische Verschwörung (63 v. Chr.) kam. Währenddessen wuchs seine Verschuldung an und brachte ihn in die Abhängigkeit der schwerreichen, grauen Eminenz Crassus. Weitere Stationen waren die Statthalterschaft in Hispanien und schließlich 60 v. Chr. das Konsulat, das er zusätzlich mit dem Ersten Triumvirat absicherte, ein informelles Bündnis mit Crassus und dem Feldherren Pompeius.

Seine Reformen zur Linderung der Agrarkrise und der Landzuteilungen für Armeeveteranen konnte er nur über Rechtsbrüche durchsetzen und brachte ihm die erbitterte Gegnerschaft der Optimaten ein. Um nach Ablauf des Konsulats weiterhin unter dem Schutz der juristischen Immunität zu stehen, nahm er in Gallien und Illyrien die Statthalterschaft an. Die Immunität war seine letzte Lebensversicherung und erhielt damit auch den Bestand der von ihm erlassenen Gesetze. Jetzt ergab sich die Ausgangsbasis für den Gallischen Krieg (58-51/50 v. Chr.), den er vom Zaun brach, mit zwei zwischenzeitlichen kurzen Sprüngen über den Ärmelkanal nach Britannien. Seine rücksichtslose Kriegsführung nahm die Ausmaße eines Genozids an, war aber eine effektive, ruhmreiche „politische PR“ für die heimischen Massen, bewältigte er doch auf diese Weise das kollektive Trauma von der barbarischen „Gefahr aus dem Norden“.

Doch Cäsars Machtzuwachs durch erfahrene, ihrem General loyal ergebene Legionen und seine nun schier unbegrenzten Mittel steigerten die Ängste seiner senatorischen Gegner vor dem autokratischen Staatsstreich. Das Triumvirat war inzwischen zerbrochen, nachdem Crassus 53 v. Chr. auf einem Feldzug im Orient fiel und Pompeius sich dem Senat wieder zuwandte. Statt der Aufforderung des Senats zur Auflösung seiner Legionen nachzukommen, überschritt der zum Staatsfeind erklärte Cäsar mit diesen im Januar 49 v. Chr. den Rubikon, einen kleinen Grenzfluß in Norditalien. Es war der Auftakt zum Bürgerkrieg.

Der Legende nach unterlegte Cäsar die Grenzüberschreitung mit dem zum geflügelten Wort gewordenen „alea iacta est – die Würfel sind gefallen“. Hier zeigt sich der Vabanque-Spieler, der den höchsten Einsatz – wenn nicht sogar dem des eigenen Lebens – riskiert. Es ist ein Bild, das seltsame Assoziationen zu aktuellen Vorgängen evoziert und damit Zweifel, ob die Bewunderungswürdigkeit „großer Männer“ der Vergangenheit heute noch angemessen ist.

Aus der Perspektive ihrer beschränkten militärischen Mittel durchaus nachvollziehbar, unterlief den Gegnern Cäsars ein psychologisch-politisch schwerer Fehler, als sie die italienische Halbinsel räumten und nach Griechenland auswichen. Denn nun standen Cäsar Rom und seinen Senat offen: „Indem er aus der Stadt floh, hatte sich der Senat von all denen getrennt – der großen Mehrheit der Bürger -, die es sich nicht leisten konnten, alles zusammenzupacken und ihre Heimstäte zu verlassen. Das Gemeinschaftsgefühl, das selbst die ärmsten Bürger mit den Idealen des Staates verbunden hatte, schien dadurch kompromittiert“ (Tom Holland).

Durch seine demonstrative Milde gegenüber seinen Gegnern, denen er habhaft wurde, nahm er dem Volk die Sorge vor einem Blutbad und damit weiter für sich ein. In den folgenden Kampagnen, die ihn von Hispanien über Griechenland, Ägypten – und hier in die Arme von Kleopatra – und Nordafrika führten, schaltete er nacheinander den Widerstand aus, während Pompeius zwischenzeitlich auf Befehl des ägyptischen König Ptolemaios ermordet wurde

Seine Alleinherrschaft sicherte sich Cäsar im Februar 44 v. Chr. so ab, daß seine Amtszeit als Diktator ein Amt, das gemäß der Verfassung eigentlich nur auf sechs Monate befristet war – nun von zehn Jahren auf unbegrenzte Dauer verlängert wurde. Die Republik Rom war damit am Ende. Die in offenkundigen Inszenierungen angetragene Königswürde lehnte er demonstrativ ab, was aber den tiefsitzenden Haß seiner Gegner nicht mildern konnte. So formierte sich mit dem bekannten Ende eine senatorische Verschwörung, um über die Leiche des Diktators hinweg die republikanische Freiheit wiederzubeleben.

Cäsars Lebensbilanz im war gewaltig, im Guten wie im Schlechten. Einerseits erkannte er den Reformbedarf der römischen Institutionen, die den Anforderungen eines Weltreichs nicht mehr angemessen waren. Die Liquidierung der Republik betrieb er deswegen, weil er erkannte, daß diese „so nicht mehr leben kann. Weder politisch, noch ökonomisch. Weil sich die Welt nicht länger von einigen noch nicht einmal 100 adligen Familien Roms ausplündern läßt“ (Wilhelm Hankel). So setzt er an die Stelle der unbeschränkten Ausplünderung der eroberten Provinzen auf ihre wirtschaftliche Entwicklung und schuf mit dem Aureus die erste Weltwährung, die immerhin 400 Jahre Bestand hatte. Und vielleicht dürften auch hier die eigentlichen Interessen liegen, die seine vorgeblich von idealistischen Motiven angetriebenen Mörder verletzt sahen. Noch längeren Bestand hatte seine Kalenderreform; der Julianische Kalender sollte teilweise noch bis in das 20. Jahrhundert Verwendung finden.

Auf der anderen Seite steht nicht allein sein brutales Kalkül, das auch vor Kriegstreiberei und Völkermord nicht zurückschreckte. „In Cäsars Energie war etwas Dämonisches und Erhabenes. Sie war geprägt von Kühnheit, Ausdauer und dem Verlangen danach, der Beste zu sein, und brachte den Geist der Republik in seiner begeisterndsten und tödlichsten Form zum Ausdruck.“ (Tom Holland)

Seine Mörder überlebten ihr Opfer nicht lange. Cäsars Gegenspieler Cicero, der in die Verschwörung nicht eingeweiht war, bescheinigte ihren Urhebern „Mannesmut, aber mit Kinderverstand“. Unfähig für die Zeit nach der Tat Vorkehrungen zu treffen, kamen sie allesamt in dem nachfolgenden Bürgerkrieg innerhalb von drei Jahren ums Leben. Schließlich vollendete Cäsars Neffe und Erbe Oktavian (63 v. Chr. – 14 n. Chr.), der spätere Augustus, was sein Adoptivvater begonnen hat. Das von ihm installierte Prinzipat bediente sich der republikanischen Institutionen, um das in Wahrheit monarchische System der Kaiserherrschaft zu kaschieren. Als Kaiser Augustus transformierte er den republikanischen Stadtstaat Rom in das römische Weltreich, das auch nach seinem Untergang für viele Nachfolger zu einem später mit christlichen Motiven angereicherten Sehnsuchtsbild eines universellen Friedensreiches werden sollte.

Doch der Preis, den die Römer dafür bezahlten, war hoch. Aus Bürgern wurden Untertanen, Freiheit tauschten sie für Ruhm aus, und waren dabei ausgeliefert der Willkür eines unumschränkten Autokraten. Diese konnte vom Falle der nachfolgenden als Cäsar (aus dem später der Titel „Kaiser“ wurde) bezeichneten Herrscher herausragende und prägende Persönlichkeiten wie Vespasian, Trajan oder Marc Aurel sein. Aber auch so bedenkliche, der absoluten Korrumpierung durch absolute Macht – in der Psychopathologie auch „Caesarenwahn“ genannt – erlegene Charaktere wie Nero, Domitian und Commodus.

Wilhelm Hankel
Caesar: Weltwirtschaft des Alten Rom
1987
Tom Holland
Rubikon: Triumph und Tragödie der Römischen Republik
464 Seiten; 18,-

Botschafter zu den Sternen

Das historische Porträt: Pioneer 10

Die Überwindung dessen, was an Unbekannten jenseits des Horizonts liegt, gehörte schon immer zu den größten Antrieben des Menschen. Sie ließ ihn die höchsten Berge überwinden und endlos erscheinenden Ozeane überqueren. Doch irgendwann im 20. Jahrhundert war auch der letzte unbekannte Winkel der Erde ausgeforscht. Mit der Entwicklung der Raumfahrt neigte sich das menschliche Interesse den schier unendlichen Weiten des Weltraums zu. 1957 startete die Sowjetunion mit Sputnik den ersten künstlichen Trabant. 12 Jahre später vollzogen die konkurrierenden USA ihrerseits mit dem ersten Menschen auf dem Mond „einen großen Schritt für die Menschheit“ nach.

Nur drei Jahre nach der Landung der Apollo-Mission auf den Mond gingen die USA einen weiteren Schritt in der Weltraumfahrt. Am 3. März 1972 – heute vor genau 50 Jahren – startete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral auf einer Atlas-Centaur-Trägerrakete die Raumsonde Pioneer 10. Mit ihr sollte erstmals eine Raumsonde in den interstellaren Raum vorstoßen.

Weiterlesen

Quelle: Nasa.gov

Mit am Bord befinden sich elf wissenschaftliche Instrumente, unter anderem ein Meteoriten-Detektor, verschiedene Messgeräte zu unterschiedlichen Strahlungsarten und zur Analyse des Jupiter, zu dem die Sonde im November 1973 vorstieß, um in einem Swingby-Manöver den letzten nötigen Schwung zum Weiterflug aus dem Sonnensystem heraus zu holen.

Doch der interessanteste Teil der Sonde gehört nicht zum naturwissenschaftlichen Programm, sondern ist ein Produkt kultureller Überlegungen. Die Planer der Sonde wollten diese Gelegenheit nicht verstreichen lassen, ohne der Sonde eine Botschaft von ihren Erbauern mitzugeben, für den Fall, daß sie auf ihrer weiten Reise auf eine extraterrestrische Zivilisation stößt. Die Konzeption dieser „kosmischen Flaschenpost“ oblag den Astronomen Frank Drake (* 1930) und Carl Sagan (1934 – 1996). Aus der Überlegung, wie man einer von der Menschheit vollkommen verschiedenen außerirdischen Spezies unsere Natur und Herkunft vermittelt, entwickelten sie die Idee einer Plakette mit verschiedenen Zeichnungen.

Mit einer Fläche von 152 zu 229 Millimetern (kleiner als ein DIN A4-Blatt) und einer Dicke von 1,2 Millimetern ist die Größe der goldbeschichteten Aluminiumplatte, auf die die Zeichnungen eingeätzt wurden, recht bescheiden. An dem Antennenmast der Pioneer-Sonde wurde sie so angebracht, daß sie optimal gegen den Weltraumstaub geschützt ist.

Quelle: de.wikipedia.org

Auf der Plakette sieht der Betrachter in der linken Hälfte einen Punkt, von dem ein Strahlenbündel unterschiedlicher Länge ausgeht. Es symbolisiert die Position der Erde in Relation zu 14 sie umgebenden Pulsaren, also Radiostrahlen aussendende Neutronensterne. Ihre individuelle Radiofrequenz ist durch binäre Symbole neben dem jeweiligen Strahl wiedergegeben. Damit lassen sich sowohl der Ausgangspunkt der Sonde als auch ihr Startzeitpunkt genau ermitteln, denn die Radioimpulse eines Quasars nimmt gesetzmäßig ab.

Unterhalb der Plakette ist das Sonnensystem abgebildet, mit der Flugroute der Pioneer von der Erde zum Jupiter und darüber hinaus ins Weltall. Auch hier finden sich zu den Planeten (zu denen seinerzeit auch der Pluto gehörte, dem 2006 der Planetenstatus aberkannt wurde) Binärsymbole, die ihre relative Entfernung zur Sonne angeben.

Oben links finden sich zwei miteinander verbundene Kreise, das Symbol für ein strahlendes Wasserstoffatom. Wasserstoff ist das häufigste Element im Kosmos und seine Radiostrahlung und Schwingungsdauer sind überall gleich. Damit hat der Empfänger der „Flaschenpost“ ein universell verstehbares Maß zur Verfügung für die in der Botschaft verschlüsselten Längen- und Zeiteinheiten.

In der rechten Hälfte ist vor dem Hintergrund der schematischen Pioneer ein nacktes Menschenpaar in ihrem jeweiligen Größenverhältnis zueinander abgebildet, die rechte Hand des Mannes zum Gruß erhoben. Aber wird ein außerirdischer Betrachter die Bedeutung dieser zutiefst menschlichen Geste je verstehen und erfassen können? Es ist eine Sache, einer vernunftbegabten, technisierten Alien-Zivilisation mitzuteilen wo wir sind; eine andere ist es, ihr zu vermitteln, was wir sind.

Da wo sich die Botschaft der Plakette „menschlich“ zeigt, da offenbaren sich die Schwierigkeiten in der Kommunikation zwischen einander vollkommen unbekannten Absender und Adressaten. Wird der Empfänger die naturwissenschaftlichen Chiffren noch übersetzen können, wird ihm wohl jedes Verstehen des abgebildeten Menschenpaars abgehen. Doch auch auf der Erde fiel dieser Teil der Abbildung auf Unverständnis. Die Nacktheit und der Anthropozentrismus fanden nicht überall Gefallen. Bei den nachfolgenden Voyager-Sonden wurde dann auch auf jede Abbildung eines Menschen bewußt verzichtet.

Später erhob der britische Astrophysiker Stephen Hawking sogar grundsätzliche Kritik daran, daß Raumsonden Botschaften mitgegeben würde, die Außerirdischen unsere Existenz und Position im Weltall verraten würden. Denn vielleicht wären sie uns ähnlicher als uns lieb sein könnten, und nutzten die Informationen zur Invasion der Erde und zur Vernichtung der Menschheit.

Doch angesichts der gewaltigen Ausdehnung des Weltalls und der weiten Entfernung der darin befindlichen Objekte dürfte die Wahrscheinlichkeit, daß die Pioneer jemals auf intelligentes Leben treffen könnte, beliebig nahe gen Null tendieren. Die Erwägung dieser Möglichkeit eignet sich bestenfalls für Science-Fiction, so wie im Film „Star Trek V“, wo ein klingonischer Weltraumkrieger die Pioneer als Weltraumschrott für Schießübungen mit der Laserkanone mißbraucht.

Somit dürfte sich die Botschaft der Pioneer-Plakette eher in einem historischen Sinne an die nachfolgenden Generationen ihrer Erbauer richten, nicht allein als eines der bedeutendsten Dokumente in der Geschichte der Menschheit, sondern auch als Quellenmaterial darüber, welchen Blick wir zum Zeitpunkt ihrer Erstellung auf uns selbst hatten. Und dieser Blick dürfte sich in den vergangenen 50 Jahren erheblich geändert haben! Kann angesichts ausufernder „Identitätskrisen“ um LGBTQ und „postkolonialen Erwachens“ heute noch ein weißes, heteronormativ aussendendes, zweigeschlechtliches Menschenpaar noch die gesamte Menschheit repräsentieren? Niemals würde die woke Bewegung der Social Justice Warriors es noch einmal so weit kommen lassen, obwohl sich aus ihren Reihen nie ein Geist rekrutieren ließe, der es mit der Expertise und den Fähigkeiten jener heute von ihnen zutiefst verachteten „alten weißen Männer“ aufnehmen könnte, die die Pioneer damals entwickelten und ins All schickten.

Zum 50. Jahrestag ihres Flugs hat sich Pioneer 10 mehr als 19 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt. Ihren Status als das am weitesten von der Erde entfernte vom Menschen geschaffene Objekt verlor sie 1998 an die 1977 gestartete Sonde Voyager 1, die sie bis dahin durch ihre höhere Geschwindigkeit überholte. Die letzte Kontaktaufnahme mit der Sonde erfolgte am 23. Januar 2003. Seitdem ist Pioneer 10 verstummt.

Helmut Höfling
Dem Kosmos auf der Spur

1976
Friedrich Heer
Die großen Dokumente der Weltgeschichte
Von den Zehn Geboten bis zur Atlantik-Charta
1978