Das Klima-Hochamt auf dem Holländischen Platz

Nun ist es endlich soweit: Nach Berlin hat auch in Kassel jene neue Form des Öko-Protestes Einzug gehalten, wonach Klima-Aktivisten sich auf dem Belag von Hauptverkehrsstraßen mit Sekundenkleber festkleben, um ihrem Anliegen durch Blockade des Verkehrs öffentlich Nachdruck zu verschaffen. So geschehen am vergangenen frühen Montagabend auf dem Holländischen Platz, Richtung Kurt-Wolters-Straße.

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Wer die Lokalität kennt, der weiß um die Wirkung. Der Platz ist einer der Hauptverkehrsknotenpunkte der Stadt, dessen Situation temporär durch die Teilsperrung der Hafenstraße verschärft ist. Rund eineinhalb Stunden wurde so der Verkehrsfluß unterbrochen, bis es Polizisten unter Anwendung von Olivenöl endlich gelang, die Aktivisten von der Fahrbahn zu entfernen. Der ohnehin ungesunde urbane Streßlevel dürfte bis dahin bei einigen der betroffenen Autofahrer neue Höhen erreicht haben.

Live dabei waren auch Pressevertreter. So auch von der HNA, die am Folgetag die Aktion gekonnt auf der Titelseite in Szene setzten. Ein Bild zeigt die Aktivisten aus der Rückenperspektive frontal gegen den stillstehenden Verkehr, passenderweise an vorderster Front ein schwarzer SUV, dem wohl wichtigsten Hassobjekt aller Ökobewegten – einfach ausgedrückt, in Anlehnung eines alten Commie-Spruchs: Alle Räder stehen still, wenn dein auf der Fahrbahn klebender Arm es will.

Ausschnitt HNA-Titelseite vom 24.05.2022

Die Anwesenheit der HNA-Journalisten am Ort wird wohl kaum zufällig gewesen sein. Naheliegend dürfte eine zeitnahe Information an die Redaktion vorgelegen haben. Und ebenso wenig wird es dem Zufall geschuldet sein, daß es sich bei dem Berichterstatter um Matthias Lohr handelt, der schon immer dadurch unangenehm aufgefallen ist, daß er seinen Journalistenberuf für seinen Linksaktivismus mißbraucht. Da ist eine solche Aktion ein gefundenes Fressen für ihn. Was wir hier erleben, ist eine perfekt orchestrierte Inszenierung, von der sich jemand wie Lohr nur allzu gerne vereinnahmen läßt. Es stellt sich allerdings die Frage, ob ein solches Zusammenwirken nicht den Tatbestand der Unterstützung zur Nötigung erfüllt.

An seiner Sympathie für die Aktivisten läßt Lohr jedenfalls keinen Zweifel. In der Kolumne „Standpunkt“ auf der Titelseite stellt er die Überlegung an, ob das Anliegen des Klimaschutzes „jede Form zivilen Ungehorsams rechtfertigt“. Seine Argumentation läuft auf ein lauwarm-distanziertes „Nein, aber…“ hinaus, an dessen Ende dann allerdings doch der Freibrief steht, in dem er eine aus seiner privaten Webseite wohlbekannte Phrase ins Spiel wirft: „Es könnte sein, dass uns unsere Enkel fragen, wo wir denn waren, als die Letzte Generation protestierte, um ihnen eine bessere Welt zu hinterlassen.“

Warum nennen sich die Aktivisten „Bündnis Letzte Generation“? Weil sie der tiefen Überzeugung sind, der letzten Generation anzugehören, die noch den angeblich unvermeidlichen Klimakollaps verhindern kann. Es ist ein wahnhafter Anspruch, dem durchaus etwas Narzisstisches anhaftet. Konsequent zu Ende gedacht ist der Übergang vom passiven Widerstand zum Terrorismus nur noch ein gradueller.

Allerdings können die „Ökosavonarolas“ (Heinz Hug) nicht behaupten, daß ihre Proteste keine Wirkung zeigten. Ihnen ist es mit zu verdanken, daß in den vergangenen Jahren eine fahrlässige Energiepolitik betrieben wurde, die nicht nur unsere industrielle Substanz angreift, sondern uns in eine höchst gefährliche Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen gebracht hat.

Halten wir uns an dieser Stelle auch noch folgendes vor Augen: Wir erleben hier mit HNA-Redakteur Matthias Lohr den Vertreter einer Zeitung in Aktion, die gegen alle Vernunft den Bau und Betrieb eines vollkommen überflüssigen Regionalflughafens in Calden promotete. Ein Flughafen, der nur deswegen keine klimaschädliche Wirkung entfalten konnte, weil der Flugbetrieb bislang extrem weit hinter den Erwartungen liegt. Hier werden tagtäglich öffentliche Gelder verbrannt, aber kein Kerosin. Und doch, wenn die Redakteure dieser Zeitung in einem einig sind, dann in der Beschwörung der Gefahren des „menschengemachten Klimawandels“, denn: „Kaum ein Wissenschaftler wird bestreiten, wie ernst die Lage ist.“ – Schizophrenie pur.

Wer alt genug ist, dem weckt die einseitige, geradezu ins Hysterische gesteigerte Fixierung auf das Klimathema Erinnerungen an die 1980er Jahre, die dominiert waren von Waldsterben, Giftstoffen und Atomangst. Auch damals war vor allem in der Jugend die pessimistische Grundstimmung überwiegend, einer Generation mit beschränkter Perspektive anzugehören. Und heute rasen die Angehörigen dieser Generation mit dem SUV durch immer noch nicht gestorbene Wälder und wählen als Ablaß die Grünen, während ihre Kinder freitags für das Klima die Schule schwänzen.

Was würde eigentlich passieren, wenn man den Aktionen dieser Öko-Sektierer in den Mainstreammedien in der gleichen Weise begegnen würde wie den zu „Covidioten“ und „Coronaleugnern“ verunglimpften Kritikern der Corona-Maßnahmen und den Skeptikern der Corona-Impfungen? Wie auch immer, den „wahrhaft Gläubigen“ des Bündnis Letzte Generation sei ein Aphorismus des Historikers Karlheinz Weißmann entgegengehalten: „Die Weltuntergangspropheten sind über ihre eigenen Voraussagen ziemlich alt geworden.“

Unterdessen berichtet die „Junge Freiheit“ auf ihrer Onlineseite, daß ein Manager der britischen Großbank HSBC vom Dienst suspendiert wurde. Sein Vergehen: Er verspottete auf einer Konferenz die Angst vor dem Klimawandel – „es gebe „immer irgendeinen Verrückten“, der das „Ende der Welt“ prophezeie. „Nicht fundierte, laute, parteiliche, eigennützige, apokalyptische Warnungen“ stimmten nie.


Zwei Buchempfehlungen zum Thema, zwar etwas älter, aber inhaltlich nach wie vor gültig:

Heinz Hug
Die Angsttrompeter: Dioxin im Frühstücksei, Pestizide überall und trotzdem leben wir immer länger. Die Wahrheit über die Gefahren aus der Umwelt
Gebundene Ausgabe, 360 Seiten, 2006
Dirk Maxeiner & Michael Miersch
Lexikon der Öko-Irrtümer 
Taschenbuch, 494 Seiten, 2000

Alles Trans oder was?

Die Titelseite der HNA vom vergangenen Montag hat eindrucksvoll vorgeführt, welche inhaltliche Prioritätensetzung die Redaktion vornimmt: Ein großer Kasten mit Bild weist auf die Schauspielkarriere einer Kasseler „Transfrau“ hin, die auf der Folgeseite in einem ganzseitigen Interview ein herausragendes Forum findet. Worum geht es? Es scheint sich biologisch um eine Frau zu handeln, die sich nicht als normale Frau fühlt, die einen biologischen Mann spielt, der sich als Frau fühlt… man will sich das gar nicht vorstellen. Wie auch immer, da konnte ich gleich weiterblättern auf Seite 3, ohne mich auch nur länger als drei Sekunden auf der vorhergehenden mit dem Interview aufzuhalten.

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„Bäumchen wechsel dich“: Das neue „Normal“ in der HNA

Aber ganz ehrlich, es ist in den letzten Jahren viel gesagt worden über die Blase, in denen sich der deutsche Journalismus bewegt. Einer seiner Lieblingsthemen ist die aus den USA zu uns übergeschwappte „woke“ Subkultur vor allem sexueller Minderheiten, deren Größe weit über ihre tatsächliche Bedeutung hinaus aufgeblasen wird, in allen tiefschürfenden Details. Was früher als Persönlichkeitsstörung ein Fall für den Psychiater war, ist heute höchster Ausdruck eines neuen zivilreligiösen Kultes um „Diversity“, der von der „Rest“-Gesellschaft nicht nur Akzeptanz fordert, sondern Respekt für sein Anderssein, mit allen Ansprüchen auf Förderung. Der britische Publizist Douglas Murray hat dazu geschrieben: „Von dem ganzen Wahnsinn der Massen, den wir derzeit erleben, sticht Trans insofern hervor, als dass es eine Art Rammbock geworden ist – als ob es das letzte fehlende Stück wäre, um die große patriarchalische Mauer endgültig niederzureißen.“

Ein deprimierendes Ergebnis dieser zweifelhaften Entwicklung ist die erklärte Absicht der Ampel-Regierung, bereits 14jährigen die irreversible, einer Verstümmelung gleichkommende Geschlechtsumwandlung auf eigenen Wunsch hin auf Kosten der Krankenkasse zu erlauben! Es ist paradox: Sexuelle Devianz ist das neue „normal“. Wer laut Zweifel äußert, dem winkt die juristische Keule des „Hass-Verbrechens“.

In diesen Zeiten, wo uns Kriegsangst, Inflation, Covid-Panikmache und vieles andere von existenzieller Bedeutung umtreiben, den zahlenden Lesern einen solchen Mist vorzusetzen, kann man sich eben nicht anders erklären als mit dem besagten Blasendenken des journalistischen Milieus. Dort muss man derartige Themen wahnsinnig „hip“ finden, ohne auch nur einen kritischen Gedanken daran zu verschwenden. Daß die Mehrheit der Leser dem auch nur etwas abgewinnen kann, ist jedenfalls eine gewagte Annahme. Wer derart seine Zeitung gestaltet, der hat sich die Flucht der Leser redlich verdient.

Die geistigen Verheerungen „woker“ Kultur.
Douglas Murray
Wahnsinn der Massen: Wie Meinungsmache und Hysterie unsere Gesellschaft vergiften
2020, 352 Seiten, 24,99 Euro

Der Herr Carl und die Pressefreiheit

Es konnte nicht ausbleiben, daß die HNA am vergangenen Montag gleich auf ihrer Titelseite den Tag der Pressefreiheit in seiner Bedeutung würdigte. In der Kolumne „Standpunkt“ zog Nachrichtenredakteur Jörg S. Carl den Bogen zu den russischen Verhältnissen, wo die Pressefreiheit nicht gegeben ist: „Das System Putin hat die Medien im Land gleichgeschaltet und der staatlichen Kontrolle unterworfen.“

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HNA-„Standpunkt“ vom 03. Mai 2022

Dem wiederum stellt er die Verhältnisse in Deutschland gegenüber, wo es „glücklicherweise keinen Mut [bedarf]“, um kritische Dinge zu schreiben, denn hier scheinen für die Pressefreiheit ideale Zustände zu herrschen: „Nur sie garantiert einen unabhängigen Journalismus, der die Fakten abbildet und der Wahrhaftigkeit verpflichtet ist. Als elementarer Bestandteil des demokratischen Systems ist die Pressefreiheit nicht hoch genug einzuschätzen, weil sie das Funktionieren eines demokratischen Gemeinwesens erst möglich macht. (…) Sie ist Voraussetzung für die Meinungsbildung, für die Freiheit der kritischen Rede und der kontroversen Debatte. Darum ist sie einer der zentralen Unterschiede zwischen Demokratie und totalitärem Staat.“- Platituden aus der Echokammer eines Mainstreamjournalisten.

Herr Carl schaut gen Osten und übersieht die keineswegs seinem Idealbild entsprechende Realität hierzulande. Gewiß, in Deutschland riskiert kein Journalist Lagerhaft, wenn er die Regierung kritisiert. Doch auch hier gibt es jenseits eines immer enger gewordenen Meinungskorridor toxische Tabus, die laut anzurühren, empfindliche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Was würde einem Journalisten eines großen Pressemediums widerfahren, wenn er nur allein in der Redaktionskonferenz einen der folgenden K.O.-Sätze äußert:

  • Der Westen trägt eine Mitverantwortung am Ausbruch des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine
  • Fridays for Future ist eine Polit-Sekte
  • Gender Mainstreaming ist eine Pseudowissenschaft
  • Die Wirksamkeit der staatlichen Corona-Maßnahmen und der Impfungen auf das Pandemiegeschehen werden weit überschätzt
  • Die Gefahren des Klimawandels werden medial überhöht
  • […]

Belassen wir es bei diesen Punkten, denen wir noch viele weitere anhängen könnten. Wie auch immer, es sind Sätze, die ihren Sprecher sehr einsam werden lassen, zum Unberührbaren, zur Unperson, der für eine weitere Beschäftigung in den MSM zu ungenießbar geworden ist. Wer sich derart äußert, riskiert hierzulande zwar keine 15 Jahre Gefängnis, aber ein informelles Berufsverbot – und zwar lebenslänglich! Und auch Herr Carl hat in seinen Texten nie etwas anderes getan, als sich in den besagten Meinungskorridor zu bewegen und sich seiner Verengung geschmeidig anzupassen.

Es würde den Rahmen sprengen, an dieser Stelle die Ursachen der Glaubwürdigkeitskrise des heutigen Journalismus zu erörtern. Tatsache jedoch ist, daß sie besteht, von vielen Medienkonsumente als solche benannt wird („Lügenpresse“) und auch Thema zahlloser Fachartikel und -publikationen ist. Am deutlichen wurde dieser Mißstand zuletzt in der Coronapandemie, als sich die Mainstreammedien zu regierungsfrommen Verlautbarungsorganen erniedrigt haben, die jeden Zweifler zum „Schwurbler“ und „Querdenker“ diffamierten. Die HNA ist dabei keine Ausnahme, die sonst nichts anderes tut, als dem von den großen Pressehäusern vorgegebenen „Trend“ zu folgen, anstatt eigene Akzente zu setzen.

Eigentlich hätte es Herr Carl gar nicht so schwierig, sich Anschauungsmaterial zu besorgen, wie guter, kritischer Journalismus geht. Das nonkonforme und zunehmend populärere Magazin „Tichys Einblick“ wird in der hauseigenen Druckerei der HNA produziert.

Aber dennoch werden wir uns hüten zu behaupten, Herr Carl sei ein branchentypisches Beispiel dafür, daß man auch trotz abgeschlossenem Studium der Politikwissenschaften und mit jahrzehntelanger Berufserfahrung als Lohnschreiber einer Provinz-Journaille nur über eine beschränkte Sicht verfügen kann – auf sich selbst, seinen Beruf und die Welt insgesamt.

Zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“

Aus der christlichen Tradition kommt die Spruchweisheit, daß nur ein kurzer Weg zwischen „Hosianna“ und „Kreuzige ihn“ besteht. Damit bezieht sie sich auf jene Phase der Evangelien, in denen Jesus Christus am Ende seines Lebensweges unter den Hosianna-Rufen (Hosianna: „Hilf doch!“, „Hilf bitte!“) des Volkes in Jerusalem einzieht und nur wenige Tage später auf Zuruf des gleichen Volkes dem Henker überantwortet wird, der ihn ans Kreuz schlägt. Die höhnische Aufschrift über ihm: „Jesus von Nazareth – König der Juden“.

Gewiß, der SPD-Politiker Karl Lauterbach ist von den Medien nicht zum Messias erhoben worden, aber doch zu einer Art Erlösergestalt, die uns aus der Krise der Corona-Pandemie führen soll. Nach jahrelangem Dasein als einfacher Bundestagsabgeordneter hatte er nach der Bundestagswahl endlich den Höhepunkt seiner politischen Karriere erreicht: Im Kabinett der von Olaf Scholz geführten Bundesregierung nahm er den Posten des Gesundheitsministers ein.

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Die Medien waren voll des Lobes für Lauterbachs Aufstieg. Geradezu hymnische Lobgesänge kamen aus den den strengen Corona-Kurs stützenden Mainstreammedien. Auch die nordhessische Monopolzeitung HNA (Hessische/Niedersächsische Allgemeine) bot in einem peinlich zu lesendem Elaborat geradezu schleimige Stilblüten. Nach nur wenigen Wochen im Amt urteilte offenbar in Abwesenheit eines kritischen Sachverstandes am 10. Januar der Leiter des Kasseler Lokalredaktion Florian Hagemann:

Lauterbach hat es in wenigen Wochen im Amt längst zu King Karl geschafft… Lauterbach ist omnipräsent, er ist Karl Überall. (…) Das ist insofern erstaunlich, als dass es diese Art von Politiker bisher eigentlich gar nicht gab. Lauterbach ist nämlich immer noch in erster Linie Professor, der die Dinge versucht, mit seinem Hintergrund als Wissenschaftler zu erklären – untermauert mit dem Hinweis auf diese und jene Studie. Seine Vergangenheit verleiht dem Mediziner dabei die nötige Glaubwürdigkeit. (…)

Dass sehr viele Menschen Lauterbachs Art honorieren und sie sich nach genau einem solchen Fachmann im Amt sehnen, ist ein gutes Zeichen. Die hervorragenden Umfragewerte für einen wie Lauterbach könnten die Besetzung von Ministerposten schließlich nachhaltig verändern – und damit auch den politischen Stil an sich. Der kraftprotzende Machtpolitiker vom Schlage Schröder ist heute sowieso längst Außenseiter und wirkt von vorgestern. Olaf Scholz hat es nicht mit Wumms ins Kanzleramt geschafft, sondern als eine Art zweite Angela Merkel. Vizekanzler Robert Habeck und Finanzminister Christian Lindner fallen eher durch ihre smarte Art auf als durch Gebrüll – der philosophierende Welterklärer Habeck freilich mehr als der temperamentvollere Lindner. Die Beliebtheitswerte von Karl Lauterbach erreichen aber auch sie nicht. Womöglich aus einem einfachen Grund: Weil Karl Lauterbach sich nicht verstellen muss, um einfach Karl Lauterbach zu sein.

HNA vom 10. Januar 2022

Warnende Vorbilder für derart medial gehypte Höhenflüge, die wie Ikarus nach zu starker Annäherung an die Sonne schnell und schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen fallen, gab es bis dahin genug: Karl-Theodor zu Guttenberg, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere wegen einer gefälschten Dissertation aus dem Amt des Verteidigungsministers flog, und Matthias Platzek, der mit viel Vorschußlorbeeren aus den Medien bedachte SPD-Vorsitzende, der aber nach nur einem halben Jahr der Überforderung aus dem Amt floh, sind nur zwei prominente Beispiele.

Denn inzwischen dreht sich der Wind aus der Wissenschaft und den dem Mainstreammedien gegen Lauterbach. Seine fortlaufende Masche, apokalyptische Sirenengesänge vorzutragen über die unvorhersehbaren und rein spekulativen Gefahren aus der Zukunft, in der sich das Coronavirus zu einer „Killervariante“ entwickeln würde, haben offenbar bei nicht wenigen Experten den Geduldsfaden reißen lassen. Und das erstaunliche ist: Aus den Mainstreammedien stellt sich kaum einer schützend vor den Minister.

In der HNA vom 20. April waren nun in der „Standpunkt“-Kolumne aus der Feder von Ulrich Riedler folgende erstaunliche Worte zu lesen:

Das Gesundheitsministerium zählt gewiss nicht zu den einfachsten Ressorts der Bundespolitik. (…) Und es erweist sich erst recht in Krisenzeiten mitunter als halsbrecherisch. Zuletzt stürzte ein Hoffnungsträger der Christdemokraten darüber. Dessen SPD-Kollege und Nachfolger Karl Lauterbach ist nun auf dem besten Wege, es Jens Spahn gleich zu tun. (…)

Seither hat sich Lauterbach Mühe gegeben, in der Welt der Realpolitik zu reüssieren, doch einiges mutet bislang befremdlich an. Erst ließ er sich beim Thema des Endes der Corona-Isolationspflicht im Kabinett die Butter vom Brot nehmen, um diese Lockerung wenig später wieder zu kassieren – im Fernsehen. Nun warnt er in der „Bild“-Zeitung vor Killerviren im Herbst, was ihm erneut massive Kritik einbringt.

Wie ministrabel ist Lauterbach überhaupt? Noch immer tut er sich schwer damit, dass man genau abwägen muss, wo man sich in welcher Form äußert. Auftritte in Talk-Shows und Interviews für die Boulevard-Presse sind eher hinderlich, wenn es um Strategien der Pandemie-Bekämpfung geht.

Ein Politiker unterscheidet sich vom Wissenschaftler nicht nur durch Dickfelligkeit, sondern auch durch Pragmatismus und das Gespür für richtiges Timing. All dies fehlt dem Experten Lauterbach noch. Er täte gut daran, es schnell zu lernen.

HNA vom 20. April 2022

Gerade einmal 101 Tage liegen zwischen den beiden vollkommen konträren „Standpunkt“-Kolumnen Hagemanns, der Lauterbach zum König krönte, und Riedlers, der ihn entzauberte. Noch ruft niemand nach Entlassung des Ministers, aber es sieht ganz danach aus, als ob der als Adler gestartete Lauterbach gerade dabei ist, seinen Sinkflug zum Bettvorleger hinzulegen. Von „König Karl“ wie HNA-Redakteur Hagemann oder gar „Karl der Große“ (DIE ZEIT) will niemand mehr reden.

Inzwischen dürfen wir uns verwundert die Augen reiben, wenn uns auf WELT Online die Journalistin Anna Scheider eröffnet, daß Karl Lauterbach in der Bundestagsfraktion der SPD alles andere als beliebt ist. Man beginnt zu ahnen, welch vergiftetes ausgerechnet von jenen auf die Oppositionsbänken verbannten Unionspolitikern kam, die Lauterbach als Idealbesetzung für das Gesundheitsressort empfahlen, so als ginge es ihnen in Wahrheit darum, den „Laden“ von innen her aufzulösen.

Es lichten sich also zunehmend die Schleier und offenbaren uns das Bild eines Mannes, der allein durch seine Talkshowpräsenz als Endzeitprediger und Angsttrompeter glänzte, aber nie als kompetenter Experte, der fähig wäre, ein Ressort wie das Gesundheitsministerium zu leiten, geschweige denn, eine Krankheit wie Covid-19 realistisch einzuschätzen. In seinem Auftreten gab Lauterbach lediglich den Komplementär für die in ihn gesteckten Erwartungen der Medien, mehr aber auch nicht.

Wagen wir zum Abschluß zwei Prognosen:

Karl Lauterbach wird sein Amt nicht bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben. Sein Ende als Minister wird alles andere als rühmlich sein.

Und die Mainstreammedien, denen wir seinen irrealen Aufstieg zu verdanken haben, werden dann als allerletzten in sich gehen und selbstkritisch fragen, welchen Beitrag sie zu diesem absehbaren Desaster geleistet haben.

HNA unser…

Es ist schon einige Jahre her, genaugenommen 2013, da hat ein Nutzer des HNA-Forum namens kloogschieter ein bemerkenswert satirisches Gedicht auf die HNA dort gepostet. Wenig erstaunlich, daß es sehr rasch von der Moderation gelöscht wurde. Glücklicherweise konnte es vorher noch rechtzeitig gesichert werden. Da hinter jenem Vers aber ein kreativer Kopf steckt, ist er es durchaus wert, bei dieser Gelegenheit hier ausgestellt zu werden.

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kloogschieter, 08. September 2013, 05:41 PM

HNA unser in Kassel,
die du da bist im online,
geheiligt werde deine Recherche,
unsere tägliche Nazistory gib uns heute,
und erinnere uns an unsere Schuld,
wie auch wir ständig für diese Zahlung leisten,
und führe uns nicht in Versuchung aufzubegehren
gegen das neue Versailles,
sondern erlöse uns von unserem Stolz,
denn wir sind ja so böse,
und dein ist die Meinungshoheit,
und die Kraft und Herrlichkeit in Ewigkeit!
Amen

http://www.hna.de/kassel/12000-dokumente-zeigen-terror-3097972.html#comment-1033424857

Putins Werk und Amerikas Beitrag

Der Krieg ist nicht nur der „Vater aller Dinge“ (Heraklit), sein Ausbruch selbst hat zumeist viele Väter. Mit anderen Worten, die Ursachen eines gewaltsamen Konfliktes zwischen Staaten und Nationen lassen sich in den seltensten Fällen monokausal erklären. Die Wurzeln seiner Genese lassen sich oft weit in die Vergangenheit zurückverfolgen, teilweise mit komplexen Verästelungen, in denen sich Ursache und Wirkung nur noch schwer voneinander unterscheiden lassen. Das gilt auch für den gegenwärtigen Krieg Russlands gegen die Ukraine. Zwar ist Russland aufgrund seines im Februar erfolgten Angriffs nach wiederholter Lüge, es würde an seiner Grenze zur Ukraine lediglich Manöver abhalten, unzweifelhaft in der Rolle des Aggressors. Doch auch dieser Konflikt hat eine Vorgeschichte, die viel mit dem Verhalten des Westens gegenüber Russland tun hat.

Der amerikanische Journalist Tim Weiner ist in der Geheimdienst-Szene bestens vernetzt. International bekannt wurde er als Verfasser einer umfassenden Monographie über die Geschichte des US-Geheimdienstes CIA („CIA: Die ganze Geschichte“; 2007). In seinem letzten, 2021 auf Deutsch erschienenen Werk, – also noch vor Ausbruch des Ukraine-Krieges – beleuchtet er das 75jährige Ringen der USA und der Sowjetunion bzw. Russlands um die Weltherrschaft: „Macht und Wahn. Der politische Krieg zwischen den USA und Russland seit 1945“.

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Weiner beginnt seine Darstellung mit dem berühmten „Langen Telegramm“ des amerikanischen Diplomaten George F. Kennan (1904 – 2005) von 1946, in dem er seiner Regierung im aufziehenden Kalten Krieg eine neue Strategie zur Eindämmung des Sowjetkommunismus unterbreitete. Dies war die Geburtsstunde des politischen Kampfes zwischen den beiden Weltmächten, der mit nichtmilitärischen Mitteln ausgetragen wurde. Seine Instrumente waren verdeckte Operationen, Fake News und Propaganda. Die Schauplätze waren die Länder der Dritten Welt und die osteuropäischen Satellitenstaaten der Sowjetunion; ihre Akteure vor allem die Geheimdienste CIA und KGB.

Dabei war Amerika in der Wahl seiner Methoden keineswegs zimperlich. Wo es die US-Administration als notwendig für ihre Interessen erachtete, wurden wie im Iran oder Kongo mißliebige Regierungschefs weggeputscht oder gar liquidiert und die schlimmsten Potentaten hofiert: „Menschenrechte [spielten] in der amerikanischen Außenpolitik nur selten eine Rolle.“

Zu den größten amerikanischen Erfolgen im Informationskrieg im Kalten Krieg dürfte die Herbeischaffung und globale Verbreitung der Geheimrede von Chruschtschow vom 1956 sein, in der er mit seinem Vorgänger Stalin abrechnete.

Die sowjetische Seite wiederum konnte sich mit der Erfindung der Verschwörungstheorie „revanchieren“, wonach AIDS eine in amerikanischen Militärlabors gezüchtete Krankheit sei. Diese Mär hat über den Kalten Krieg hinaus bis heute in Millionen Köpfen überlebt.

Von besonderem Interesse ist die zweite Hälfte des Buches, in welchem Weiner die weitere Entwicklung nach dem Triumph der USA im Kalten Krieg beschreibt, und hier vor allem der Weg, den die USA mit der NATO-Osterweiterung eingeschlagen haben.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde in den deutschen Medien vielfach verbreitet, es sei ein Mythos gewesen, „dass sich die Nato mit der Osterweiterung schuldig gemacht habe, weil diese gegen Versprechen von Anfang der 90er verstoßen habe. (…) Dieses Narrativ sollte sich erledigt haben. (…) Die Regierung Jelzin aber akzeptierte das Selbstbestimmungsrecht der Warschauer-Pakt-Staaten und ehemaliger Sowjetrepubliken: Im Budapester Memorandum bestätigte Russland deren Souveränität – für den Verzicht auf Nuklearwaffen.“ (pars pro toto Mark-Christian von Busse in der HNA vom 15. März 2022). Jedoch, ganz so einfach stellt sich die Historie der NATO-Osterweiterung nicht dar.

Bereits US-Außenminister George Baker gab 1990 dem sowjetischen Staatschef Gorbatschow die „kategorische Zusicherung“: „Nicht einen Zoll weiter nach Osten.“ Vor einer Abkehr dieser Linie warnten auch hochrangige Militärs und Diplomaten, wonach „die Russen die Erweiterung der NATO als existenzielle Bedrohung betrachten würden“.

Gorbatschows Nachfolger Jelzin, den Weiner in entscheidenden Momenten als alkoholisiert beschreibt, ließ sich auf das „doppelzüngige Spiel“ des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton ein, der einerseits Jelzin unterstützte, andererseits das Projekt der NATO-Osterweiterung betrieb. Die Clinton-Administration hatte selbst nach Einschätzung ihrer eigenen Diplomaten die Russen in dieser Frage eindeutig hintergangen. Vize-Außenminister Strobe Talbott bekannte intern: „Die NATO-Erweiterung wird, wenn sie stattfindet, per definitionem Bestrafung oder ‚Neo-Containment‘ des bösen Bären sein“.

Talbott machte unumwunden deutlich, daß es zwischen den USA und Russland nicht um eine Begegnung auf Augenhöhe gehen könnte. Amerika wollte der Sieger des Kalten Kriegs sein. Es wollte seine Macht und seinen Einfluß weltweit ausdehnen und wiederholte damit den Fehler, der nach dem Zweiten Weltkrieg begangen wurde, als man es sträflich unterließ, den früheren Feind in eine seine Interessen berücksichtigende Friedensordnung einzubinden.

Das mit dem Budapester Memorandum verbundene Beitrittsangebot der NATO an Polen, Ungarn und die Tschechische Republik fasst Weiner in seiner Wirkung auf die russische Seite drastisch zusammen: „Dies verstärkte Russlands Gefühl, dass die Amerikaner den Bären nicht nur in einen Käfig sperren, sondern ihm auch noch die Augen ausstechen wollten.“

Das „große Spiel“ erfuhr 2000 eine bedeutende Wende, als Wladimir Putin von Jelzin das Amt des Russischen Staatspräsidenten erbte. Der frühere KGB-Agent Putin – „ein Tschekist bis ins Mark“ – , getrieben von seiner traumatischen, hautnahen Erfahrung des Untergangs der Sowjetunion, hatte zwei Ziele: Rache an Amerika und die Wiederherstellung der alten Größe Russlands. Umgehend wurde der Staatsapparat mit Geheimdienstagenten durchsetzt und so aus den Trümmern der Sowjetunion ein neuer Geheimdienststaat geschaffen, der den früheren politischen Krieg wiederaufnahm.

Der Informationskrieg wurde zu Putins stärkster Waffe, seine Instrumente Cyberangriffe, Medienmanipulation und psychologische Operationen, „die effizienteste politische Kriegsführung des 21. Jahrhunderts“. Die Cyberattacken auf Estland 2007 und der Hack in die IT-Wahlmaschinerie der Ukraine waren erste Kostproben der neosowjetischen Strategie Putins.

Besonderes Aufsehen erregte 2014 die Veröffentlichung eines von russischen Geheimagenten mitgeschnittenen Telefonats zwischen der hochrangigen US-Diplomatin Victoria Nuland und dem amerikanischen Botschafter in der Ukraine, das die tiefe amerikanischen Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes dokumentierte. Berühmt wurde dieses Telefonat wegen des darin enthaltenen Kraftausdrucks von Nuland, man könne „auf die EU scheißen“.

Doch das waren nur Gesellenstücke auf dem Weg zum großen Ziel: Die heimliche Beeinflussung der US-Präsidentschaftswahl von 2016, dem großen Zweikampf der Kandidaten Hillary Clinton und Donald Trump.

Weiner legt ausführlich dar, wie Russland mithilfe seiner in Sankt Petersburg ansässigen Troll-Fabrik in den Wahlkampf eingriff, zugunsten des Kreml-Wunschkandidaten Trump. Kompromittierendes Material gegen Clinton wurde von den Servern der Demokratischen Partei gestohlen und WikiLeaks zugespielt, das Internet mit Fake News geflutet und aufgeheizt, während das amerikanische Programm von Russia Today eine massive Kampagne fuhr, um durch die Unterstützung einer linken Außenseiter-Kandidatin Clinton entscheidende Stimmen zu entziehen und die Wählerschaft der Demokraten zu spalten. Der Angriff traf die USA vollkommen unvorbereitet. Ebenso gab es zahlreiche vom FBI dokumentierte Kontakte der Teams von Trump und Putin.

Das Ende der Geschichte ist bekannt: Mit Trump wurde ein Kandidat zum Präsidenten gewählt, der den Interessen des Kremls am dienlichsten war, der die NATO für „obsolet“ hielt, das außenpolitische Engagement der USA zurückfahren wollte und darüber hinaus Putin mit viel Lob bedachte.

Weiner läßt offen, ob er den heimlichen Angriff des Kremls als den entscheidenden Ausschlag für Trumps Wahl ansieht. Ebenso legt er sich nicht explizit fest, ob er Trump für einen russischen Einflußagenten hält.
Dennoch, Trump belastendes Material gibt es zuhauf. Doch sollte nicht außer Acht gelassen werden, daß Putins Trolle die politisch aufgeheizte Stimmung und die ihr zugrunde liegende jahrzehntelange Entwicklung gesellschaftlicher Spaltungen lediglich für ihre Zwecke instrumentalisieren, aber keineswegs lenken oder gar herbeiführen konnten. Es bleiben auch Zweifel an Trumps Nutzen für Russland, denn immerhin hat er sich gegen eines der wichtigsten Kreml-Projekte, die Erdgasverbindung Nord Stream 2, ausgesprochen. Dennoch, auch ohne den letzten Beweis muß unter der Last der Fakten Trumps Wahlsieg mindestens als kompromittiert angesehen werden.

Wäre Weiners Buch ein Politthriller, er wäre höchst unterhaltsam. Aber tatsächlich ist es ein beklemmendes Dokument, das auf eine für die westlichen Demokratien trübe Zukunft einstimmt, eine Zeit, in der es den Wählern immer schwerer fallen wird, die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden und dabei jede Sicherheit zu verlieren gehen droht, in ihren politischen Entscheidungen nicht Opfer einer perfiden Manipulation zu sein. Und die schlimmste Vorstellung daran: Die Marionettenspieler müssen noch nicht einmal im feindlichen Ausland sitzen – sie könnten auch aus dem eigenen Land kommen.

Tim Weiner
Macht und Wahn
Der politische Krieg zwischen den USA und Russland seit 1945
2021; 352 Seiten; 26,- Euro

Stalins Weißwäscher in der HNA

Es vergeht keine Woche, in der die HNA nicht wenigstens an einem Tag die Gelegenheit ergreift, einem mit ihrer Machart und tendenziösen Schlagseite den morgendlichen Kaffee bei ihrer Lektüre wieder hochzutreiben. Gestern war es im Leserforum der Leserbrief eines gewissen Klaus Bremer aus Kassel, der einem auf den Magen schlagen konnte.

Herr Bremer ereiferte sich darin über die auf Putin gemünzte Formulierung vom „Wiedergänger Stalins“ eines anderen Lesers. Stalin, so Bremer, genoß „trotz verschiedener Fehler international hohes Ansehen“. Sogar das Time Magazin kürte ihn 1943 zum „Man of the Year“. Erst die „kalten Krieger“ hätten Stalin nach Ende des WK II „systematisch in den Dreck“ gezogen: „Ein Vergleich mit Putin, der das Recht der Völker mit Füßen tritt und von einem reaktionären, großrussischen Reich träumt, verbietet sich also von selbst.“

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HNA vom 11. März 2022

Nun, da muß ich Herrn Bremer recht geben. Putin kann man vieles vorwerfen, aber keinen millionenfachen Massenmord, etwa durch staatlichen Terror (u.a. an Tausenden polnischen Kriegsgefangenen im Massaker von Katyn), GULAGs oder auch gezielt herbeigeführten Hungerkatastrophen. Ansonsten hat auch Stalin das Völkerrecht getreten und Angriffskriege angezettelt. Die Erinnerung an den Winterkrieg 1939 ist den Finnen tief in ihrer Erinnerungskultur verankert und auch der Hitler-Stalin-Pakt sollte hier nicht vergessen werden, der das gesamte Baltikum Stalins „progressiven“ Sowjetimperium überschrieb.

Die kruden Ansichten des Geschichtsschwurblers Bremer werden verständlicher, wenn man folgendes über ihn erfährt: Er ist seit Jahrzehnten aktives Mitglied der MLPD (Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands), einer vom Verfassungsschutz beobachteten, linksextremen Polit-Sekte, für die er sich schon mehrfach als Bundestagskandidat zur Verfügung stellte (zuletzt 2021). Ein herausragendes Merkmal der MLPD ist ihre ausgeprägte Sympathie für Massenmörder wie Mao Zedong oder eben Stalin. Stalins Nachfolger Chruschtschow, der den Prozeß der Entstalinisierung einleitete, gilt ihnen selbstverständlich als Verräter.

Aber wenn wir eine Verbindung zwischen Stalin und Putin suchen, so ist der Weg der beiden zueinander bemerkenswert kurz. In den vergangenen Jahren erlebte Russland eine unheimliche Renaissance des Stalin-Gedenkens, in dessen Tradition sich der gegenwärtige Kreml-Herrscher zumindest in der Geschichtsdarstellung und beim Militär offenbar implizit stellt.

Gar so weit geht die MLPD allerdings nicht. Aber immerhin stellte sie vor zwei Jahren eine Statue des Stalin-Vorgängers Lenin vor ihrer Zentrale in Gelsenkirchen aus, wo sie bis heute ungestört steht. Und für all diejenigen, die an dieser Stelle den „guten Lenin“ gegen den „bösen Despoten Stalin“ in Stellung bringen, möchte ich ein Zitat des russisch-sowjetischen Reformpolitikers Alexander Jakowlew (1923-2005) anführen:

„In der Geschichte hat es keinen Menschen gegeben, der Rußland mehr haßte, als Uljanow-Lenin. Was immer er anfaßte, verwandelte sich in einen Totenacker, in ein Riesenfeld mit menschlichen, sozialen und ökonomischen Gräben. Alle wurden ausgeraubt – die Lebenden wie die Toten.“

Es ist mühselig, darüber zu spekulieren, wie jemand wie der Stalin-Apologet Bremer allen Fakten zum Trotz an seinem Weltbild festhalten kann. Leute wie er leben in ihrer eigenen Realität, in der sie nur schwer zu erreichen sind, eher gar nicht. Diskussionswürdiger ist aber vielmehr die Frage, wie eine sich seriös gebende Zeitung wie die HNA dazu kommt, einem wie Bremer ein Forum für seine Geschichtsklitterungen zu eröffnen, während hingegen die Moderation auf HNA-Online schon einen Glückwunsch für den Freispruch von Prof. Kutschera in seinem Gerichtsverfahren wegen Volksverhetzung mit einem Bann unterlegt.

Dabei ist Bremer in der Redaktion kein Unbekannter. In der HNA-Ausgabe vom 25.11.2000 erhielt er als Mitbegründer der „AUF Kassel“, ein angeblich bürgernahes Wahlbündnis, das in Wahrheit eine Tarnorganisation der MLPD ist und inhaltlich auch ihre Handschrift trägt, eine ausführliche Möglichkeit der Selbstdarstellung. An Bremers dabei offen vorgetragenen MLPD-Hintergrund hatte sich schon damals niemand in der HNA-Redaktion gestört.

HNA vom 25.11.2021

Also: Wie kommt es, daß der HNA hier jegliches Problembewußtsein abgeht? Man sollte sich über das Bildungsniveau heutiger Mainstreamjournalisten nicht allzu viele Hoffnungen machen. Hauptsache man weiß, wie korrekt gegendert wird, auch wenn einem der „Holodomor“ ein Fremdwort ist. Gerade beim Nachwuchs läuft alles auf die 3G-Regel des Haltungsjournalismus hinaus: „Gender, Greenpeace und Gerechtigkeit“. So kann es kaum verwundern, wenn schließlich ein Leserbrief wie der von Bremer unkommentiert den Weg in die Zeitung findet.

Solche Entgleisungen sind aber nur ein Symptom, das ein bezeichnendes Licht auf die mentalen Verhältnisse in der HNA wirft, wo die Indifferenz nach Links Trumpf ist und selbst die mutmaßliche Anführerin eines Antifa-Rollkommandos zur „Antifaschistin der Herzen“ geadelt wird. Schärfer ist man hingegen zur anderen Seite, wo jeder Kritiker der Corona-Maßnahmen als „Querdenker“ diffamiert und jeder Impf-Skeptiker zum „Schwurbler“ degradiert wird.

Übrigens konnte sich die MLPD-Tarnliste „AUF Kassel“ immerhin fest im Kasseler Stadtteil Rothenditmold etablieren und stellt dort – auch dank der Unterstützung durch die Vertreter der Altparteien – mit dem MLPD-Mitglied Hans Roth sogar den Ortsvorsteher. Aber wäre an Roths Stelle jemand mit irgendwelchen rechten Verbindungen in dieses Amt gewählt worden, das mediale Trommelfeuer der HNA wäre nicht eher verstummt, als bis diese Wahl rückgängig gemacht worden wäre.

Stéphane Courtois (Autor), Nicolas Werth (Autor), Jean L. Panné (Autor), Andrzej Paczkowski (Autor), & 8 mehr
Das Schwarzbuch des Kommunismus: Unterdrückung, Verbrechen und Terror
987 Seiten; 1998

Wer hat diesen Bock zum Gärtner gemacht?

Gefühlt erscheint mindestens jeden zweiten Tag in der „Hessischen Allgemeinen“ ein Bashing gegen die Querdenker und die gegen die Corona-Maßnahmen protestierenden Spaziergänger. Am vergangenen Freitag durfte nun Jakob Alber von der Schulschwänzerbewegung „Fridays for Future“ im gefälligen Interview durch Matthias Lohr seine kritische Sicht auf die Corona-Kritiker darlegen. Die Hauptthesen daraus und ihre Gegenüberstellung mit einem geeigneten Kontext, der eine eindeutige Bewertung ihrer Qualität zuläßt:

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Matthias Lohr / HNA: Ob Kritiker, Verschwörungsideologen oder „Querdenker“ – wie schätzen Sie die Bewegung ein?
Jakob Alber: In letzter Zeit ist sie immer extremistischer geworden. Ich bekomme die Dynamiken in den Telegram-Gruppen mit. Dort gibt es mittlerweile auch Aufrufe zu konkreter Gewalt. Seitdem die Maßnahmen für Ungeimpfte anziehen und eine Impfpflicht diskutiert wird, werden die „Querdenker“ wütender.

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus234856610/Linksextremismus-bei-Fridays-For-Future-Die-unuebersehbare-Radikalisierung.html

(…) Die Auseinandersetzung ist symptomatisch für den Richtungsstreit in der noch jungen Bewegung, ein bürgerliches konkurriert mit einem antikapitalistischen Lager. Die einen wollen das Wirtschaftssystem umbauen, schneller heraus aus der fossilen Energie. Die anderen liebäugeln mit einem kompletten Umsturz, sie halten den Kapitalismus an sich für die Ursache von Klimawandel und sozialer Ungerechtigkeit. Seit der Gründung von FFF vor gut drei Jahren prägen zwar gemäßigte Stimmen das öffentliche Bild. Doch intern geben Personen wie Luisa Neubauer längst nicht mehr allein den Ton an. Teile der Bewegung kooperieren mit linksextremistischen Kräften. (…)


Bei der Demo der „Querdenker“ soll unter anderem Hermann Ploppa reden, der bei der Bundestagswahl für die Partei Die Basis im Schwalm-Eder-Kreis angetreten ist und dessen Bücher im rechtslastigen Kopp-Verlag erscheinen. Wie gefährlich ist so jemand?
Ich halte ihn für enorm gefährlich. Ploppa schreibt etwa, dass der Geschichtsrevisionist und Holocaust-Leugner Harry Elmer Barnes auf Wikipedia zu unrecht verunglimpft werde. Jemand wie Ploppa wird nicht nur akzeptiert, sondern mit ihm wird geworben, ohne dass es auf Widerstand stößt. Das sagt einiges über die Bewegung aus.

https://www.facebook.com/watch/?v=699076380611877

Greta ist sakrosankt, wie man früher sagte, ne. Darf man Witze über Greta machen? Ich meine, sie meint es gut. Sie ist ein Mädchen. (…) Man sollte sie nicht mit dem Messias verwechseln und das tun viele, nicht? (…) Sie sagt, es geht um Menschenleben. Da hat sie recht. Die Frage ist nämlich, wie viele Menschen kann man in regionaler Biowirtschaft ernähren? Eine Milliarde? Zwei, vielleicht drei, und die Frage ist, wo finden wir dann vier oder fünf Milliarden Freiwillige zum Ableben und wer sucht sie aus, macht Greta das selbst? Ich traue es ihr zu. Den Blick hat dafür hat sie. (…)

https://www.welt.de/politik/deutschland/article231248659/Fridays-for-Future-teilt-antisemitisches-Posting-Deutsche-Aktivisten-distanzieren-sich.html

Fridays for Future Deutschland hat sich von einem Posting distanziert, in dem sich der internationale Teil der Bewegung offenbar mit den Raketenangriffen auf Israel solidarisiert hatte. „Wir stellen uns klar und deutlich gegen jeden Antisemitismus, überall“, kommentierte die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer die Distanzierung des deutschen Ablegers.

Zuvor war auf dem internationalen Kanal von Fridays for Future ein Beitrag erschienen, in dem es hieß: „Wir sind mit dem Herzen bei den Märtyrern und Verstorbenen. Die Gewalt und die verlorenen Leben sind eine Tragödie, und ihr Blut wird nicht vergessen werden. Möge die Erinnerung an sie ein Segen sein und eine Revolution.“


Wie groß ist die Gefahr, dass sich eine neue RAF aus den Reihen der „Querdenker“ bildet?
Eine terroristische Gruppe wie die RAF halte ich für unrealistisch. Aber es gibt definitiv einen Teil, der gewaltbereit ist. Ich halte es für möglich, dass aus der Bewegung heraus Morde initiiert werden.

https://www.welt.de/debatte/plus235214580/Szenario-einer-Gruenen-RAF-Die-Klima-Radikalisierung-war-zu-erwarten.html

Kommt bald ein grüner Terrorismus? Tadzio Müller, einer von Deutschlands prominentesten Klima-Aktivisten, ist davon überzeugt. In einem hochinteressanten Interview mit dem „Spiegel“ sagt der frühere Referent der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Mitbegründer der Aktionsgruppe „Ende Gelände“ eine schnelle Radikalisierung der Bewegung voraus.

Schon 2022 werde es massive Gewalt gegen Sachen geben, von Geländewagen über Autobahnbaustellen bis zu Gaskraftwerken. Doch selbst diese, so Müller, „Notwehr“ gegen die drohende Zerstörung unserer Zivilisation durch Treibhausgas werde erst der Anfang sein: „Wer Klimaschutz verhindert, schafft eine grüne RAF.“

Diese Argumentation aus dem Maschinenraum der Klimaschützer ist folgerichtig und war zu erwarten. Wer das politische Ziel, also die wie auch immer geartete „Rettung“ des Klimas, zum höchsten Gut erklärt, kann darüber nach den festgelegten Regeln des Rechtsstaates nicht mehr verhandeln. (…)


Wurden Sie selbst schon bedroht?
Konkret bedroht wurde ich nicht, aber ich fühle mich nicht ganz wohl damit, mich so öffentlich zu zeigen. Trotzdem will ich mich nicht einschüchtern lassen.

https://www.welt.de/vermischtes/article234013244/Fridays-for-Future-Taetlicher-Angriff-auf-Kernkraft-Aktivistin-bei-Klimademo.html

(…) Ein Video zeigt den Vorfall in Berlin. Dabei ist zu sehen, wie ein Mann sich von hinten nähert, Augustin an die Handgelenke greift, um ihr das Schild zu entreißen. Als die Aktivistin nicht loslässt, bringt er sie beinahe zu Boden. Die Umstehenden johlen und klatschen. Kurze Zeit später ist das Schild zerbrochen. (…)

https://www.welt.de/politik/deutschland/plus211427667/Fridays-for-Future-und-Ende-Gelaende-Klimaschutz-Systemwechsel.html

Am 23. Juni fliegen im Hambacher Forst wieder einmal Böller auf Polizisten. Eine Frau versucht, einen Beamten zu beißen, ein Mannschaftswagen wird mit Exkrementen beschmiert. So hält es die Polizei später fest. Seit Jahren gilt „Hambi“, der Wald, als Symbol für den Kampf zwischen Klimaschützern und der Kohlebranche. Zwischen den Bäumen mischen Anhänger der führenden Bewegungen um Fridays for Future und Ende Gelände mit. Längst steht ein Kompromiss: Hambi bleibt. Doch selbst ernannte Aktivisten führen den Protest weiter – und die amtliche Bilanz nach knapp zwei Jahren lautet: 2994 Straftaten, darunter 39 Brandstiftungen und 58 Körperverletzungen. Das teilt das Innenministerium in Nordrhein-Westfalen auf Anfrage mit. (…)


In den Telegram-Gruppen der „Freien Bürger“ werden zum Teil krude Verschwörungserzählungen verbreitet. Anders als in anderen Städten verliefen die Spaziergänge und Demos in Kassel jedoch bislang friedlich. Und Protest ist ja legitim. Müsste eine Demokratie eine Minderheit, die montagabends spazieren geht, nicht aushalten? Oder sind Sie für ein Verbot solcher Aufzüge?
Kritik am staatlichen Handeln ist selbstverständlich legitim. Dafür gibt es in einer Demokratie klare Spielregeln. Wer Veranstaltungen anmeldet, darf eine ganze Menge. Selbst ein Protest auf der Autobahn ist möglich. (…)

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article218717380/Dannenroeder-Wald-Selbst-ernannte-Aktivisten-betreiben-Terrorismus.html

Die Wälder im deutschen Herbst strahlen gelb, orange und rot. Am Horizont geht die Sonne auf, die Wolken sind lila. Und dann bei Wiesbaden ist da auf einmal ein Stau. Ein Glück, dass nichts passiert, kein Lkw einen Kleinwagen in den nächsten Laster schiebt und die Insassen an diesem Montag sterben lässt und Menschen irgendwo anders zu Witwen oder Waisen macht.

Die Ursache des Staus an diesem Morgen sind Menschen, die sich an Seile gebunden von einer Autobahnbrücke baumeln lassen, um den demokratisch beschlossenen und legitimierten Bau der A49 durch den Dannenröder Forst zu verhindern. Und diese Menschen nennen sich Aktivisten.

Was die Jugendlichen von Fridays for Future geschafft haben, eine weltweite friedliche Bewegung für den Klimaschutz auf die Straße zu bringen, drohen diese Kriminellen zunichtezumachen. Sie instrumentalisieren das legitime Anliegen für mehr Klimaschutz und machen daraus: Terrorismus. (…)


Viele Kritiker der Corona-Maßnahmen sehen sich zu Unrecht in die rechte Ecke gestellt und beteuern, sie seien ganz normale Bürger aus der Mitte der Gesellschaft. Sehen Sie die Gefahr, dass man diese Menschen durch Gegenkundgebungen in die Arme von Radikalen treibt?
Ja, diese Gefahr sehe ich. Natürlich sind nicht alle „Querdenker“ rechtsextrem. Aber sie haben kein Problem, mit Rechtsextremen auf die Straße zu gehen. Ich unterstelle jedem Einzelnen von ihnen, das nicht zu kritisieren. Das muss gesagt werden.

https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2022/corona-proteste-buergerliches/

Brandenburgs Innenstaatssekretär Uwe Schüler (CDU) hat der Ansicht widersprochen, bei den Demonstranten gegen die Corona-Maßnahmen handele es sich überwiegend um Extremisten. „Das bürgerliche Spektrum geht momentan auf die Straße“, sagte er laut Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch im Innenausschuß des Landtages. (…)

https://www.welt.de/politik/deutschland/article236205086/Verfassungsschutz-Rechtsextreme-bei-Corona-Protesten-nicht-in-der-Mehrheit.html

An den Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen beteiligen sich vor allem Bürger ohne Extremismus-Bezug. Das hat der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, am Mittwoch im Innenausschuss des Bundestages erklärt. Wie WELT aus Teilnehmerkreisen erfuhr, sagte Haldenwang, der „überwiegende Teil“ seien „normale“ Bürger.

Den Angaben zufolge erklärte der Verfassungsschutzpräsident, Rechtsextremisten würden sehr wohl weiterhin versuchen, einen prägenden Einfluss zu erhalten – ihr Erfolg sei bislang jedoch mäßig. Rechtsextremisten setzten auf „Visibilität“ und wollten ihre Bedeutung größer erscheinen lassen als sie tatsächlich sei. (…)


Wer mit „Querdenkern“ diskutiert, wird feststellen, dass das sehr schwierig ist. Ist ein Diskurs mit den Impfgegnern überhaupt möglich?
Bis zu einem gewissen Punkt schon. Aber das ist immer schwierig, weil die „Querdenker“ die Erkenntnisse der empirischen Wissenschaft nicht zur Kenntnis nehmen. Vorigen Samstag habe ich eineinhalb Stunden mit zwei Teilnehmern diskutiert. Das war ein spannendes Gespräch. Bis einer sagte, den Holocaust zu leugnen, sei Meinungsfreiheit. Da war ich raus. Grundsätzlich halte ich es aber für gut, respektvoll miteinander zu reden.

https://www.welt.de/vermischtes/plus216429948/Clemens-Traub-Ausgestiegen-bei-Fridays-for-Future.html

WELT: Sie sagen: Anfangs waren auch Sie bei Fridays for Future dabei. Dann haben Sie sich von der Bewegung abgekehrt. Wann kam es zur Entfremdung?

Traub: Ich habe gemerkt, dass viele meiner Mitstreiter überzeugt waren, die einzige Wahrheit gepachtet zu haben. Das Denken konzentrierte sich zunehmend auf ein Schwarz gegen Weiß, Gut gegen Böse. Irgendwann fühlte sich der Klimaprotest an wie ein totaler, autoritärer Kampf gegen den Rest der Menschheit. (…)

Fridays for Future tritt nur noch mit der absoluten Gewissheit auf, moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Kompromisse, die so wichtig für unser Zusammenleben sind, werden da als verwerflich betrachtet. Viele Aktivisten sehen in demokratischen Prozessen mittlerweile einen Verrat an der Zukunft der Menschheit. (…)

Wir leben schon jetzt in einer Zeit der Polarisierung. Es wird eine noch größere Spaltung geben, wenn nicht auch die Klimaschützer rhetorisch herunterschrauben und den totalitären Wahrheitsanspruch ablegen. Sogar viele, die aus der ursprünglichen Klimaschutzbewegung stammen und den Grünen nahestehen, sagen mir mittlerweile: In der Sache richtet Fridays for Future Schaden an.


Jakob Alber beobachtet mit dem Schwurblerticker-Kanal auf Telegram die Szene um die Corona-Kritiker. Es stellt sich dabei die alte Frage: Wer kontrolliert den Beobachter?

Die HNA, Karl Lauterbach und der Flug des Ikarus

Ob dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) eine Träne der Rührung über die Wange lief, als er am vergangenen Samstag diesen Tweet absetzte: „Einfach mal Danke!“ Anlaß war die Titelseite der Thüringer Allgemeinen (TA), die mit einem großen Schaubild das Stärkeverhältnis der Impfkritiker sowie der die staatlichen Corona-Maßnahmen ablehnend gegenüberstehenden Minderheit, die mit „illegalen“ Spaziergängen ihrem Protest Ausdruck verschafft, gegenüber der überwältigenden Mehrheit, die durch die Impfung ihre angebliche Akzeptanz der Maßnahmen zeige.

Eine steile These, wo bekanntermaßen auch nicht wenige Geimpfte sich unter die Spaziergänger begeben haben. Aber in Corona-Zeiten ist das mit den Zahlen und Daten so eine Sache. Da wurde in einigen Bundesländern bislang bei der Intensivbelegung das beträchtliche Dunkelfeld derer, deren Impfstastus nicht bekannt war, einfach den Ungeimpften zugerechnet. Es dauerte jedenfalls nicht lange, und Ramelows Tweet geriet zum Rohrkrepierer, als nicht wenige geschichtsbewußte Follower Ramelow auf gewisse heikle historische Parallelen hinwiesen, die sie auch noch mit zeitgenössischen Dokumenten belegen konnten. So mit der Schlagzeile aus dem Neuen Deutschland vom März 1988: „Der neue ‚Glasklar‘-Kurs der SED erobert die Herzen der Massen“.

Dieser kuriose Vorgang beleuchtet eindrucksvoll die Wahrnehmung vieler Bürger, wonach es nach Eurorettung und Migrationskrise nun in der Corona-Pandemie zu einem erneuten Einvernehmen zwischen Medien und Regierung gekommen ist. Die „Vierte Gewalt“ hat ihre Kontrollfunktion endgültig aufgegeben und unterstützt unkritisch einen Regierungskurs, der in weiten Teilen der Bevölkerung keine Akzeptanz mehr findet.

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Auch in unmittelbar nächster Nachbarschaft zu Erfurt, in Nordhessen, spielte sich dieser Tage das Drama des unbegabten Journalisten als regierungsamtliches Sprachrohr in ähnlicher Weise ab. Zwei Tage nach besagter Ausgabe der TA demonstriert die Hessische Allgemeine (HNA) auf ihrer Titelseite in der Rubrik „Standpunkt“ den engen Schulterschluß zwischen Regierung und Mainstreammedien-„Intelligenzija“: „Lauterbach im Umfragehoch / King Karl – die neue Art, Politik zu machen“. Florian Hagemann, Leiter der Lokalredaktion Kassel, ergießt sich darin zu einer regelrechten Lobhudelei:

Lauterbach hat es in den ersten Wochen im neuen Amt längst zu King Karl geschafft: Er twittert fleißig, wird mal in die Tagesthemen geschaltet, mal ins Heute-Journal, er schaut mal bei Anne Will vorbei, mal bei Maybrit Illner, heute Abend ist er bei Frank Plasbergs „Hart aber fair“ zu Gast. Lauterbach ist omnipräsent, er ist Karl Überall. (…)

Das ist insofern erstaunlich, als dass es diese Art von Politiker bisher eigentlich gar nicht gab. Lauterbach ist nämlich immer noch in erster Linie Professor, der die Dinge versucht, mit seinem Hintergrund als Wissenschaftler zu erklären – untermauert mit dem Hinweis auf diese und jene Studie. Seine Vergangenheit verleiht dem Mediziner dabei die nötige Glaubwürdigkeit.

Und zum krönenden Abschluß, warum die Beliebtheitswerte der Minister Habeck und Lindner nicht an die von „King Karl“ reichen:

Womöglich aus einem einfachen Grund: Weil Karl Lauterbach sich nicht verstellen muss, um einfach Karl Lauterbach zu sein.

An dieser Stelle hätte ich noch erwartet: „Majestät, Ihr seid die Sonne…“

HNA-Standpunkt vom 10.01.2022

Als erstes kommt beim Lesen der Verdacht auf, mit diesem schleimigen Text will Hagemann sich für den Posten des Bundestagspoeten vulgo „Hofschranze“ (Don Alphonso) bewerben, den die Bundestagsvizepräsidentin Göring-Eckhardt so gerne ausschreiben will.

Aufhänger der Thesen Hagemanns sind die Umfragen zu Lauterbachs Beliebtheit (66 Prozent bei Dimap). Doch mit demoskopischen Beliebtheitswerten ist das so eine Sache. Eine ungeschriebene Grundregel dabei lautet, daß die Beliebtheit eines Politikers mit seiner Medienpräsenz korreliert, egal, was er dabei zu sagen hat. Und wie diese Präsenz nun zustande kommt, wäre eine eigenständige Untersuchung wert, nach welchen Kriterien jemand wie Lauterbach die Dauereinladungen in die Talkshows des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks erhält und welche Fäden im politisch-medialen Komplex hier gezogen werden. Transparent sind diese jedenfalls nicht, allenfalls zu erahnen.

Was Lauterbach für diese Rolle sicherlich prädestiniert, ist sein professoraler Auftritt, in dem er mit sorgenvoller Miene Endzeitstimmung verbreitet. In seinem Buch „Das Ende der Welt. Von Ängsten und Hoffnungen in unsicheren Zeiten“ (2012) ist der Buchautor Christian Schüle auch auf „das Ende der Welt als deutsches Geschäft“ eingegangen. Neben den US-Amerikanern gäbe es kein zweites Volk, das bedingt durch seine wechselvolle Geschichte den Hang zur Apokalypse derart zur Lust verinnerlicht hätte wie das der Deutschen. Deutschland als „das Land der Apokalypse“ – und kein Gesicht passt besser dazu als das von „King Karl“ Lauterbach.

Wenn sich Lauterbachs düstere Voraussagen nicht erfüllen – geschenkt. Daß er den größten Stuß als wichtige Erkenntnis herausposaunt, von der am Folgetag nichts mehr übrig bleibt – vergessen. Die Frage nach seiner tatsächlichen ärztlichen Qualifikation, die angeblich nur im Gesundheitsmanagement liegt – irrelevant. Frei von jedem Selbstzweifel vollzieht er seine Auftritte. Und die Mainstreammedien folgen brav, solange Lauterbach seiner Rolle als zivilreligiöser Prophet, der Apokalypse und Erlösung anbietet, zur Zufriedenheit derer ausfüllt, die ihn nach vorne stellen.

Doch das muß so nicht auf Dauer bleiben. Die Liste der Senkrechtstarter, die gescheitert an sich selbst aus großer Höhe gefallen sind, ist lang. Denkt da noch wer an Matthias Platzeck, der 2005 vom glücklosen Franz Müntefering den Vorsitz der SPD übernahm? Bedacht mit Vorschußlorbeeren von den Medien und ausgestattet mit einem Rekordvotum vom Parteitag warf er ein halbes Jahr später das Handtuch, eine vergessene Fußnote der deutschen Parteiengeschichte als der SPD-Vorsitzende mit der kürzesten Amtszeit in der Bundesrepublik.

Spektakulärer ist da der Fall Karl-Theodor zu Guttenberg, der es schaffte, selbst so skeptische Geister wie den konservativen Publizisten Karlheinz Weissmann zu blenden. Als Verteidigungsminister aus altem Adel schien ihm alles zu gelingen, und selbst in der „heute show“ wurde er vollkommen unironisch „der Mann, der alles kann“ genannt. Bis im Februar 2011 mit der Aufdeckung seiner Dissertation als billiges Plagiat innerhalb von zwei Wochen sein tragikomischer Absturz zum Lügenbaron erfolgte.

Wer hoch steigt, kann tief fallen, sagt der Volksmund. Die griechische Mythologie kennt hierfür die Figur des Ikarus, der mit selbstgemachten Flügeln der Sonne unvorsichtig zu nahe kommt, so daß das zusammenhaltende Wachs zerfloß und Ikarus zu Tode stürzte.

Sieg und Niederlage, Schmerz und Vergnügen, sie liegen nahe beieinander. Und Politik ist umso mehr ein Drahtseilakt, je höher man steigt. Das gilt auch für jemanden wie Karl Lauterbach, bei dem schon erste Anzeichen erkennbar sind, nicht begriffen zu haben, daß ein Ministeramt andere Anforderungen stellt als ein Abgeordnetenmandat. Schneller als gedacht könnte es sich erweisen, daß hinter der Warnung seiner Ex-Frau Angela Spelsberg, bekannt als ausgezeichnete Epidemiologin und Wissenschaftlerin, Lauterbach werde einem Ministeramt nicht gerecht, mehr steckt als nur ein Rosenkrieg.

Der tiefe Sturz eines Politikers ist nicht nur eine Blamage für den Betreffenden; sie ist es ebenso für die Medien, die sich devot anbiederten und ihn in unkritischer Weise nach oben schrieben. Journalisten sind daher auch in diesem Fall gut beraten, dem Grundsatz zu folgen, nahe bei der Sache zu sein, und dabei doch eine innerliche, kritische Distanz zu den Akteuren zu bewahren. Wenn „King Karl“, warum auch immer, sich als Luftikus entpuppt und von seinem Thron stürzt, was wird Hagemann dann im Rückblick zu seinem bereits aus heutiger Sicht Fremdscham erzeugendes Elaborat sagen…?

 

Der Klassiker zum Thema:

Udo Ulfkotte
So lügen Journalisten
Der Kampf um Quoten und Auflagen (2001)
Nur noch antiquarisch erhältlich

Ein Tränenglas für Matthias Lohr

Ich kann nicht oft behaupten, daß die Lektüre der HNA (Hessisch/Niedersächsische Allgemeine) Erheiterung in mir auslöst. Die nordhessische Tageszeitung ist sonst so bieder und fest eingebunden in dem Milieu, das man so schön Mainstreammedien nennt. Doch selbst unter solchen Bedingungen hat es Lokalredakteur Matthias Lohr am gestrigen Montag mit einem besonders weinerlichen Kommentar über die Situation in seinem Beruf geschafft, ein Lachen in mir auszulösen.

„Standpunkt“/ HNA vom 4.10.2021

Anlaß war die Verleihung des „Glas der Vernunft“, des Kasseler Bürgerpreises, an die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ am vergangenen Tag der deutschen Einheit. Lohr nutzte den Festakt als Aufhänger, um in der Rubrik „Standpunkt“ zu sinnieren: „Journalisten haben es schwer wie selten“. Was folgte war ein Klagelied darüber, welch schweren Stand Journalisten wie er haben, denn sie werden „als Teil der angeblichen Lügenpresse verunglimpft“ und würden von nicht wenigen in Deutschland für Verbrecher gehalten. Ja, sogar körperliche Angriffe auf Demonstrationen müßten sie einstecken, vor allem von Querdenkern.

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Beaker als das Alter Ego des getroffenen Haltungsjournalisten?

Doch zum Rohrkrepierer geriet Lohrs rhetorischer Kniff, Extrembeispiele wie „obskure Youtuber und den vom Kreml finanzierten Sender RT“ als bedenkliche Alternativen hinzustellen, pars pro toto für alle alternativen Medien, um sich selbst in ein umso heller erscheinendes Licht zu rücken. Umgekehrt ist es jedoch ein Armutszeugnis für ihn und seine Kollegen, wenn ausgerechnet solche Angebote mehr Zuspruch und Vertrauen erhalten als die Mainstreammedien.

Und zum Schluß gibt Lohr eine entschiedene Ansage, die man durchaus doppeldeutig verstehen kann: „Niemand schreibt uns vor, was wir zu schreiben haben.“ – Doppeldeutig in dem Sinne, daß er den Vorwurf der Kritiker, man unterwerfe sich höheren Vorgaben oder gar Merkel persönlich, ebenso zurückweist wie auch jeden Druck von der Straße.

Auf dem ersten Blick mag es wie eine Opfer-Inszenierung wirken, was Lohr hier aufführt. Doch tatsächlich wirft er sich in die heroische Pose des wackeren Journalisten, des weißen Ritters für die Pressefreiheit: „Seht her, wie ich mich in den Kampf stürze gegen die Gegner der Pressefreiheit, die Feinde der Demokratie.“ – So viel narzisstische Selbstoffenbarung war selten.

Tatsächlich hat Lohr die Kritik weiter Teile der Bevölkerung über die „angebliche“ Lügen- bzw. Lückenpresse nicht verstanden. Spätestens seit dem Ausbruch der Krim-Krise hat sich bei vielen das Gefühl durchgesetzt, von unseren maßgeblichen Medien mit einseitigen und auch falschen Narrativen informiert zu werden. Die sogenannte Flüchtlingskrise, in der der staatliche Kontrollverlust zu einer „kulturellen Bereicherung“ unseres Landes umgedeutet wurde, trieb diese Gefühlslage auf die Spitze. Ob Migration, Eurorettung, Klimapolitik – es herrscht in weiten Teilen der Medien ein enger Meinungskorridor vor, der die Dinge ausschließlich in einem linksliberalen Sinne darstellt und interpretiert.

Es ist für viele Menschen naheliegend, diese Einseitigkeit auf höhere Vorgaben zurückzuführen, auf dunkle Mächte im Hintergrund oder einfach nur die konzentrierte Macht der Medienkonzerne. Die Dinge liegen komplizierter. Es würde zu weit führen, die Prozesse der vergangenen Jahre in der Medienbranche auszuführen, wie sie der Medienwissenschaftler Uwe Krüger in „Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen“ darlegt hat, die zu der Herausbildung der Mainstreammedien und ihrer inhaltlichen Engführung geführt haben. Doch in einem muß man Lohr recht geben: Der von vielen vermutete „Druck von oben“ existiert so nicht.

Der Kulturkritiker Oswald Spengler (1880 – 1936) formulierte ein bis heute gültiges Bonmot:

Der Laie mag sich zufriedengeben, daß die Presse verfassungsgemäß „frei“ ist. Der Kenner fragt: „Auf wen hört die Presse?“

Die Antwort darauf ist einfach, es ist der grün angehauchte Zeitgeist, der vorgibt, was als „sozial erwünscht“ zu gelten hat. In diesem Zeitgeist kann man auch Lohr unschwer verorten. Wer das Wirken dieses Mannes über die Jahre verfolgt hat, erkennt ein Muster, dessen Stoßrichtung immer der nicht-linke Andersdenke ist – nicht allein, aber vor allem gegen die AfD, Querdenker und andere engagierte Kritiker der staatlichen Corona-Maßnahmen, denen ausschließlich alleine „Haß und Hetze“ attribuiert wird, so als wäre man selbst vollkommen frei davon.

Doch wie viel Fairness, wie viel Respekt, wie viel Ausgewogenheit, wie viel Unvoreingenommenheit kann man von einem Journalisten erwarten, der in seinem privaten Blog „Matti Lohr – Grüner wird‘s nicht“ solche Sätze schreibt:

Was werden wir in 25 Jahren unseren Kindern antworten, wenn sie uns fragen, warum wir am 24. September 2017 nicht die Grünen gewählt haben? […] In 20 Jahren, wenn nicht nur die Malediven, sondern vielleicht auch Teile der Niederlande und von Niedersachsen im Meer versunken sein werden, der Klimawandel viele Regionen der Erde unbewohnbar gemacht und die größten Flüchtlingswellen der Geschichte verursacht haben wird, werden wir Sätze zu hören bekommen wie: „Aber die Grünen hatten doch immer recht. Wieso habt ihr nicht endlich einmal auf sie gehört?“ Wir werden dann etwas stammeln und zugeben müssen, dass die Grünen tatsächlich meist richtig gelegen hatten (…).

Screenshot, abgerufen am 4.10.2021

Wer würde so jemanden etwas anderes zutrauen als die Rolle eines linksgrünen Aktivisten im Gewand des Journalisten? Lohr vermag offenbar nicht zu begreifen, daß er in dieser Rolle mitbeteiligt ist an der Polarisierung unserer Gesellschaft. Er provoziert und beschwert sich über die Reaktion – die übliche Chuzpe von Haltungsjournalisten gegenüber ihren widerspenstigen Lesern. Stattdessen schirmt er sich in seiner Blase ab und immunisiert sich gegen die konsequenterweise harsch ausfallende Kritik, indem er sie als „Angriffe gegen die Pressefreiheit“ diffamiert.

Aber die Zeiten einer Presse als „vierte Macht im Staat“, als Kontrollinstanz des politischen Systems sind schon lange vorbei. Den Urgesteinen Bob Woodward, Carl Bernstein und Seymour Hersch folgte die moralische Korrumpierung der Medien durch gesinnungsethische Interessen. Heute prägen die Relotiusse das öffentliche Bild von den Medien, die kleinen wie die großen. Dazu braucht es keine erfundenen Reportagen; es reichen die manipulativen Tricks, die Bilder erzeugen, die selbst den kleinen Mann die Medien Fürchten lehren. Wen wundert es da noch, wenn Meinungsumfragen belegen, daß mehr als die Hälfte der Bundesbürger nicht mehr an eine freie Meinungsäußerung glaubt?

Aber Lohr kann auch anders. In seiner Berichterstattung über die berüchtigte, aus Kassel stammende Lina E., der derzeit wegen Gewaltaktionen gegen die rechtsextreme Szene vor dem Oberlandesgericht Dresden der Prozeß gemacht wird, vermag er das Bild von der mutmaßlichen Linksextremistin auffallend weich zu zeichnen. So schreibt die Preußische Allgemeine Zeitung:

Viel Verständnis demonstrieren des Weiteren einige Journalisten wie Christian Fuchs vom Wochenblatt „Die Zeit“ und Matthias Lohr von der Kasseler „Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen“ („HNA“). In deren Beiträgen wird Lina E. wohlwollend porträtiert und suggeriert, die sächsische Justiz stempele die „unscheinbare“ junge Frau, welche sich „während des Studiums mit Rechtsextremismus auseinandersetzte“, zu Unrecht als Linksextremistin ab. (PAZ, Ausgabe vom 17. Sep 2021)

Hier werden die verrutschten Maßstäbe eines Journalisten offenbar, der wie ein Korken auf dem trüben Wasser schwimmt und dabei noch versucht, große Wellen zu schlagen. So sieht das „schwere Leben“ des HNA-Redakteurs Matthias Lohr aus. Jedes alternative Medium von Bedeutung hat gegen größere Widerstände anzukämpfen, härtere Auseinandersetzungen auszufechten als er es je nötig hatte.

Uwe Krüger
Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen
174 Seiten, 14,95 Euro