Wenn ein Künstler mit politischem Unterhaltungsprogramm auf geradezu konspirativen Wegen dem Publikum seine Auftrittsstätte mitteilen muss, dann können Sie sicher sein, daß Sie im „besten Deutschland aller Zeiten“ (Bundespräsident Steinmeier) leben. So jedenfalls musste der Standup Comedian Nikolai Binner vorgehen, der am vergangenen Samstagabend im Südflügel des Kasseler Kulturbahnhofs auftrat. Erst zwei Tage zuvor wurde, wie angekündigt, den Ticketkäufern per Mail der bis dahin geheime Veranstaltungsort mitgeteilt.
Diese Vorsichtsmaßnahme erfolgte nicht ohne Grund. Denn Binners Programm trifft nicht auf die Gegenliebe des zartfühlenden Mainstreams und ist in seiner Ausrichtung Lichtjahre entfernt von dem, was im linksliberalen Konsens als „sozial erwünscht“ gilt. Und gerade in Kassel wurden ihm schon einmal erfolgreich Knüppel zwischen die Beine geworfen.

Zuletzt 2022 plante Binner einen Auftritt im Kasseler „Theaterstübchen“. Doch das von einem notorischen linksgrünen Denunzianten aus der Redaktion der HNA eröffnete Feuer der Skandalisierung führte zur Absage des Auftritts durch den Veranstalter. Begründet wurde es vor allem mit Binners kritischen Äußerungen zur Corona-Politik. Es war ein geradezu idealtypischer Verlauf für jenen Vorgang, den man als „Cancel Culture“ kennt, mit allen wirtschaftlichen Konsequenzen für einen freischaffenden Künstler.
Doch vier Jahre später konnte Binner – entgegen allen Erwartungen des Berichterstatters – seinen Auftritt ungestört absolvieren. Weder kam es im Vorfeld zu publizistischem Störfeuer durch die HNA (die offenbar nichts davon mitbekam), noch baute die Antifa eine Bedrohungskulisse auf.
Was Binner an dem Abend vor den rund 300 Gästen der ausverkauften Veranstaltung ablieferte, war eine Orgie des schmutzigen Humors, der die untere Skala der gegenwärtig durch die Political Correctness vorgegebenen Geschmacksgrenzen nicht nur einfach verletzte, sondern komplett abräumte.
Binner, optisch auffallend durch seine hellblaue Baseballjacke mit passendem Käppi, ließ kein Tabu aus. Es blieb nicht bei Witzen über Penisgrößen von Böhmermann-Fans, denen er eine Penisverlängerung gönnte. Selbst Witze über den „Führer“ kamen zum Anschlag. Binners Humor ist derb und geschmacklos, ohne vulgär zu wirken. Man brauchte als Kenner der Kasseler Kulturszene nicht lange zuzuhören, um im Nachhinein zu erahnen, warum das eher im linksgrünen Milieu zu verortende „Theaterstüchen“ der denkbar schlechteste Ort für Binners Programm gewesen wäre.
Wie wenig er für dieses Milieu übrig hat, machte Binner gleich zu Anfang mit einer Anekdote aus dem Landleben seiner Jugendzeit im hessischen Gelnhausen deutlich. Seine Mutter hielt auf dem Bauernhof zahlreiche Hennen, für die sie sich einen Hahn zulegte. Doch weil der die Hennen angriff, wurde ihm der Kopf abgehackt. Doch, oh Wunder, der so kopflose Hahn studierte danach noch vier Semester Kunstgeschichte. Intellektuellen-Feindlichkeit pur.
Die Heuchelei der Woken persiflierte Binner mit einem Erlebnis aus seiner Suche nach einem WG-Zimmer, ausgerechnet im linken Friedrichshain, eines der linksten Quartiere Berlins. Dort, wo bereits die betont vorgetragene Toleranz zu LGBTQ signalisiert – unterlegt mit auffallend rollenden „R“ -, wie intolerant man tatsächlich gegen alles ist, was nicht so denkt, wie man selbst. Es ist ein Milieu, das nach Binner durchaus einiges mit den Nationalsozialisten des Dritten Reichs gemeinsam hat, nur „daß die Faschisten von heute an deren Stelle die KZs mit Biogas betrieben hätten“. Inzwischen ist Binner aus Berlin weggezogen, wo wegen der vielen Islamisten „Allahstufe rot“ herrsche, nach Köln („sehr gay“).
Das Thema Corona, durch das Binner erstmals auffiel, ist abgehakt. Jetzt ist es die Migration, die sich wie ein roter Faden durch sein Programm zieht. Es reichten ihm schon Andeutungen. An Kassel fiel Binner der hohe Anteil von „Ingenieuren“ auf den Straßen auf, eine ironische Anspielung auf die vermeintlichen „Fachkräfte“, die uns die Politik im Zuge der Massenmigration versprochen hatte. Und das kundige Publikum weiß, was gemeint ist.
Wie sehr hat sich doch der „Rassismus“ über die Zeit geändert. Binner erinnerte daran, daß man in Deutschland die Polen früher vor allem mit Diebstahl in Verbindung gebracht hätte. Und wofür seien die Polen heute bekannt? Dafür, daß sie auf ihren eigenen Weihnachtsmärkten nicht umgebracht würden. Noch eine augenzwinkernde Andeutung, die das Publikum auf Anhieb versteht.
Ex-Kanzlerin Merkel, deren Styling dem Steuerzahler schlappe 57.000 Euro pro Jahr kostet, wünschte Binner unter eine Burka, „die einzige Frau in Europa, die das verdient hat.“ Es sind solche Äußerungen, die vor allem unter Wählern der AfD Begeisterung hervorrufen dürften. Binner jedoch stellte klar, wie wenig er von irgendeiner Partei hält, denn „auch die AfD wird Deutschland nicht retten“. Selbst AfD-Chefin Alice Weidel wurde zur Zielscheibe seines Spotts. Als Lesbe verheiratet mit einer Frau aus Sri Lanka, könne sie jeden Ehestreit mit der Drohung der Abschiebung zu ihren Gunsten entscheiden.
Auf einer Halloween-Party der AfD lehrte er dort als Afghane verkleidet, denen das Fürchten, um dazu überzuleiten, auf einer solchen Party des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „als ausgewogene Berichterstattung“ aufzutreten. Es war eine jener Stellen, die an dem Abend den größten Beifall bekamen. Die schier unüberbrückbare Distanz zwischen etablierten Medien und Zuschauern – hier war sie geradezu mit Händen greifbar, wie sonst selten.
Mühelos gelang Binner die Nähe zum Publikum, das er auch in seine mitreißende Show einbezog. Dessen Altersdurchschnitt war erstaunlich jung. Man stutzt, auch Menschen mit Migrationshintergrund befanden sich darunter. Vielleicht doch nicht überraschend? Denn Binner erzählte von seinen Erlebnissen mit Uber-Fahrern mit Migrationshintergrund, die ihm sofort ungefragt ihren Unmut über die Massenmigration nach Deutschland mitteilten. Binner unkte, wie das auf einen „Sören“ als Fahrgast wirken würde; ein Name, der wie eine Chiffre für das linksgrüne Milieu steht? Wo doch Sören mitverantwortlich sei für die Massenmigration in unser Land.
Für Deutschland hatte Binner den besonderen Wunsch, daß es sich von seinem „Schulddämon“ befreit: „Wir müssen Deutschland wieder geil finden, egal wie sehr das Land am Arsch ist.“
2021 schrieb die Junge Freiheit in einem Porträt über Binner: „Es hat etwas Beklemmendes, einem wachen jungen Mann dabei zuzusehen, wie er sich gerade seine öffentlich-rechtliche Karriere verbaut. Aber es ist doch bewundernswert, wie leidenschaftlich er seinen ‚ganz krassen Freiheitsdrang‘ lebt.“
Fünf Jahre später steht Binner auf dem bisherigen Gipfel seines Erfolges. Allen Angriffen der Medien und der Antifa zum Trotz. Ohne Unterstützung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Öffentliche Werbung ist ihm kaum möglich. Und doch sind viele seiner Shows ausverkauft. Allein durch seine Präsenz in den sozialen Netzwerken, ohne die diese außergewöhnliche Leistung kaum denkbar gewesen wäre. In drei Jahren, so der Traum des 34jährigen, will Binner in der Lanxess-Arena Köln auftreten. Der Weg dahin erscheint extrem weit, der Traum vielleicht ein paar Nummern zu groß. Doch immerhin, eines hat der Abend bewiesen: Das Schwert der „Cancel Culture“ ist stumpf geworden und es erscheint fraglich, ob es jemals wieder zu alter Schärfe zurückfindet.


















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